Bewegung 15. Oktober: Mehr als nur Protest gegen Banken

Ein Gastbeitrag  von Jacob Jung, Foto: Yusuf Beyazit

Am Samstag versammelten sich weltweit Menschen auf Straßen und Plätzen, um gemeinsam zu protestieren und ihrer wachsenden Empörung Luft zu machen. Über den ganzen Globus verteilt beteiligen sich rund 1000 Städte in insgesamt 82 Ländern an den Demonstrationen.

In Deutschland locken entsprechende Veranstaltungen vor allem in Berlin, Frankfurt, München oder Köln tausende Menschen vom Sofa auf die Straße. Geschätzte 10000 Demonstranten ziehen in Berlin vom Alexanderplatz über das Brandenburger Tor bis zum Bundeskanzleramt. In Frankfurt haben sich rund 6000 Menschen vor der Europäischen Zentralbank (EZB) versammelt.

Von den Medien werden die Proteste der Einfachheit halber als Demonstration gegen die Macht des Bankensystems in Anlehnung an die amerikanische Protestbewegung „Occupy Wall Street“ dargestellt. In Wirklichkeit steckt jedoch weit mehr hinter der „Bewegung 15. Oktober“ als nur die Reaktion aufgebrachter Bürger auf die Selbstherrlichkeit von Banken und Finanzspekulanten.

Das beschränkte Verständnis der Konzernmedien

Ein Blick auf die heutigen Schlagzeilen der deutschen „Qualitätspresse“ zeigt, wie sich die konzernabhängigen Redakteure den Aufstand der Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt erklären. So titelt die FAZ „Occupy Wall Street: Die Protestwelle erfasst alle Kontinente“, die FTD „Nach Wall-Street-Demos: Zentausende protestierten gegen die Banken-Diktatur“ oder das Handelsblatt „Anti-Wall-Street-Demos: Es geht gegen die Banken“.

In der jetzigen Phase ist es opportun auf Banken und Banker, auf Finanzspekulanten und Geldmarkt-Jongleure zu schimpfen. Um sich dieser Haltung anzuschließen, braucht es kein revolutionäres Potenzial, keine Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen und schon gar keine Auseinandersetzung mit den Folgen des raumgreifenden Turbokapitalismus.

In Zeiten, in denen Rentner ihre Investmentberater entführen und brave Bürger vor Gericht auf die Beratungspflichten von Bankmitarbeitern pochen, ist es nicht schwer, den Zorn der spießigen Mittelschicht auf die Geldinstitute zu lenken. Diese haben immerhin Traumrenditen für das Ersparte versprochen und die gierigen Erwartungen ihrer Kunden nicht erfüllt.

Allerdings lautet das Motto der Protestbewegung nicht #more-money oder #raise-interest sondern eben #globalchange. Und das bedeutet nicht mehr und nicht weniger als dass sich etwas ändern soll. Die Position der Banken ist dabei nicht Ursache sondern Symptom. Symptom für eine politische Realität in immer mehr Ländern auf der Welt, die das Wohlergehen der Mehrheit schamlos und konsequent der Gier einer Minderheit opfert. Und genau hieran soll sich etwas ändern.

An dieser Stelle endet die Empathie der Konzernmedien und dass muss sie auch. Schließlich profitieren sie als Teil der herrschenden Verhältnisse selber davon, dass die Wirtschaft die Politik als Marionette betrachtet und leistet durch die Art ihrer Berichterstattung einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung dieser Struktur.

#globalchange ist also weitaus mehr als nur der Widerstand gegen Banken und Geldinstitute, gegen Krisen an den Finanzmärkten und hochverschuldete Staaten. Doch was verbindet die Menschen, die ab heute ihre Häuser und Wohnungen verlassen, um gemeinsam auf der ganzen Welt zu demonstrieren.

Kein Follow-Up von Occupy-Wall-Street

Für die Medien folgt die „Bewegung 15. Oktober“ dem „Occupy-Wall-Street-Movement“, greift deren Zielsetzung auf und trägt sie weiter in die Welt. Das klingt zwar schlüssig, entspricht aber nicht der Wahrheit.

Der Aufruf zu den heutigen Demonstrationen geht auf die spanische Protestbewegung ¡Democracia Real YA!“ zurück, die ihre Anhänger bereits ab März 2011 zur globalen Mobilisierung aufgefordert hatte. Die zentralen Ziele gehen dabei deutlich über den Protest gegen die Macht des Bankensystems hinaus und wurden in der Folge von vielen Bewegungen, Organisationen und Sympathisanten auf der ganzen Welt aufgegriffen und weiterentwickelt.

Besonders aktiv zeigte sich hierbei der deutsche Ableger der Protestbewegung, der unter seinem Namen „Echte Demokratie Jetzt“ bereits im Juni diesen Jahres unter dem Hashtag #worldrevolution zu den heutigen Demonstrationen aufgerufen hatte. Dennoch heißt es in annähernd jedem heute erschienenen Zeitungsbericht, die Bewegung ginge auf Occupy-Wall-Street zurück, wobei das Movement in den USA erst vor vier Wochen entstanden ist.

Natürlich geht es hier nicht darum, sich um die Urheberschaft der Protestbewegung vom 15. Oktober zu streiten. Es ist völlig unerheblich, wer erstmalig hierzu aufgerufen hat. Allerdings verschleiert diese Darstellung den Blick auf die eigentlichen Ziele der Bewegung und erzeugt den Eindruck, als ginge es hier lediglich darum, sich gegen die Machtbestrebungen von Großbanken zur Wehr zu setzen.

Demokratiebewegung mit weitreichenden Forderungen

Die Absichten und Ziele der Bewegung gehen weit über eine kritische Auseinandersetzung mit dem Bankensystem hinaus. Den Protesten liegt die besorgniserregende Beobachtung zugrunde, dass moderne Herrschaftssysteme zwar dem Namen nach demokratisch sind, in Wirklichkeit aber den Willen, die Bedürfnisse und die Forderungen der Mehrheit dem Einfluss einer reichen und mächtigen Minderheit opfern.

Immer mehr Menschen leben am Rande des Existenzminimums. Sie haben keine Aussicht auf einen sicheren und würdigen Arbeitsplatz, auf Bildung und Ausbildung und auf eine gesellschaftliche Teilhabe. Die Sozialsysteme werden unter dem Druck der Wirtschafts- und Finanzkrisen immer weiter herunter geschraubt. Die fortschreitenden Verarmung, Verelendung und Perspektivlosigkeit einer rasant wachsenden Bevölkerungsschicht auf der einen, ist dabei nur die logische Konsequenz der ausufernden Gewinne reicher Minderheiten auf der anderen Seite.

Die Bewegung 15. Oktober wendet sich gegen diese Entwicklung und fordert eine fortgeschrittene Form der Demokratie, in der tatsächlich die Bedürfnisse der Mehrheit im Vordergrund stehen. Sie tritt für gerechte Sozialsysteme, den kostenlosen Zugang zu Bildung und Ausbildung und einen fairen Arbeitsmarkt ein.

Die Rolle der Banken innerhalb dieser Systeme ist nicht mehr als eine logische Folge der fortschreitenden Liberalisierung der Märkte, der ausufernden Gier einer Minderheit nach immer höheren Profiten und der zunehmenden Bereitschaft der Politik, denen, die bereits den größten Teil der Vermögen besitzen, zu noch mehr Reichtum zu verhelfen.

Die internationale Demokratiebewegung und ihre Proteste am 15. Oktober 2011 auf eine bankenkritische Position zu reduzieren ist der Versuch, von ihren eigentlichen Zielen abzulenken. Politische Parteien und Organisationen springen auf den Zug auf, versuchen die Demonstranten für sich zu vereinnahmen und verwässern deren Forderungen auf ein Maß, dem sich vom Politik-Darsteller über den Konzernvorstand bis hin zum Großinvestor und Finanzspekulanten annähernd jeder anschließen kann.

Es geht um echte Demokratie und Mitbestimmung, um eine gerechte Verteilung von Ressourcen, um die Chancengleichheit aller Menschen, um einen fairen Arbeitsmarkt, einen behutsamen und nachhaltigen Umgang mit der Umwelt, um das friedliche Zusammenleben der Völker und um das Ende eines Systems, in dem wenige Mächtige und Reiche über die Lebensumstände und die Existenz der Mehrheit entscheiden.

Es liegt nun an den Anhängern der Bewegung, dafür zu sorgen, dass ihre Ziele und Forderungen in die Öffentlichkeit getragen werden. So erfreulich es auch auf den ersten Blick auch erscheint, dass die Medien in diesem Fall über die Proteste berichten (bei den bisherigen Proteste in Griechenland, Spanien oder auch in Deutschland war das nicht so): Hierin liegt auch eine große Gefahr. Überlässt es die Bewegung jetzt ausgerechnet den Konzernmedien, über sie zu berichten und ihre Ziele im Eigeninteresse zu interpretieren, dann verspielt sie hiermit ihrer Chance auf tatsächliche Veränderungen und überlässt es ein weiteres Mal den Reichen und Mächtigen, über ihr Schicksal zu entscheiden.

Der Arikel erschien ursprünglich auf dem Blog von Jacob Jung

Weitere Artikel zum Thema:

- 15. Oktober – Call for ActionOder: Was ist „die Bewegung“?

- Evolution und Revolution

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17 Responses to “Bewegung 15. Oktober: Mehr als nur Protest gegen Banken”

  1. Sehe ich genau so.

    In den letzten Tagen habe ich – besonders aus den USA und von da aus in allen Berichterstattungen – beobachtet, dass es nur noch “gegen die Banken” geht und alles andere weggelassen wird und dass sich Banker zu Wort melden, die “die Proteste verstehen und gut heißen”. Ganz abgesehen von den immer häufiger auftretenden “prominenten” Rednern, die “den Kapitalismus vollkommen in Ordnung finden”, nur leider ist er ein wenig “mutiert” und muss wieder “an die Leine genommen” werden.

    Da fallen mir zwei Sätze ein:

    1. Wenn Dich Deine Feinde loben, hast Du irgend etwas falsch gemacht.
    2. Beherrsche eine Opposition, indem Du sie selber führst.

    Ich habe vor ein paar Tagen dieses Video gefunden, dass ich sehr aufschlussreich und aufklärend finde. Auf Englisch:

  2. Ich kann für mich zumindest bestätigen, dass es nicht nur um das Thema Banken geht. Es laufen inzwischen so viele Dinge schief, in unserem derzeitigen System, dass es nicht reicht, auf die Banken zu zeigen. Warum ich auf die Straße gehe, hatte ich am letzten Wocheende schon geschrieben:

    http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/10/07/beginnt-am-15-oktober-eine-bewegung-an-der-am-ende-eine-friedlich-erneuerte-weltgemeinschaft-steht/

  3. Was die Problematik des Kapitalismus angeht, bin ich der selben Meinung. Ich hatte den Eindruck, dass – zumindest die Demo in Berlin – genau das zum Ausdruck bringen wollte.
    Ich muss gestehen, dass ich selber nicht anwesend war, da mich der Aufruf auf Facebook nicht überzeugte. Irgendwie klang das nach Demo für Demokratie. Es sorgte bei mir für Verwirrung. Der Wall-Street-Bewegung hätte ich mich angeschlossen. Etwas ungeschickt gewählt. Mich einem Haufen von Menschen anzuschließen und gegen alles zu sein, machte für mich keinen Sinn.
    Hier mein Frage zu deinem Beitrag:
    Was sind denn die eigentlichen Ziele (ist bei mir im Konkreten nicht angekommen) und wo liegt der Lösungsansatz? Wie werden soziale Leistungen bezahlt?
    Die etablierten Parteien schreien auch sofort laut auf, dass vieles grundlegend verändert werden muss, aber wie dies geschehen könnte, wird nicht zum Ausdruck gebracht.
    Mein Eindruck ist, dass diese Demonstration genau das tat was die unfähige Politik in Deutschland auch macht, nämlich gegen etwas schimpfen.

    • Ich beobachte die Bewegung seit ihrer Entstehung recht eingehend, stehe mit einigen ihrer “Mitglieder” im regen Austausch und publiziere von Zeit zu Zeit auch darüber.

      Nach meiner Auffassung geht es hier bislang nicht um konkrete politische Konzepte sondern stattdessen eher um die Äußerung des Gefühls, dass etwas nicht stimmt. Es beruht wohl auf der Beobachtung, dass sich die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse stetig verschlechtern, dass Politiker ihre Arbeit, die ja darin bestehen sollte, Entscheidungen im Interesse und im Sinne der Bevölkerung zu treffen, nicht erledigen und stattdessen den Anweisungen der Wirtschaft und der Banken widerspruchslos Folge leisten.

      Jeder in unserer Gesellschaft kann beobachten, dass wenige Reiche immer reicher werden, während sich viele Berufstätige einem immer prekäreren Arbeitsmarkt ausgesetzt sehen, Arbeitslose an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, Kinder und Jugendliche oft keinen freien Zugang zu Bildung und Ausbildung haben, das Gesundheits- und das Rentensystem in die Knie gehen, die Sozialprogramme abgebaut und die Kulturangebote der Kommunen und Städte nicht mehr finanzierbar sind.

      Die Menschen beobachten allerdings, dass während ihnen von Politik und Medien gesagt wird, sie müssten aus staatlichem Geldmangel Opfer bringen, sich einschränken und private Modelle zur Existenzsicherung entwickeln, gleichzeitig Milliardenbeträge in die staatlichen und privaten “Zockerbuden” getragen werden, Milliarden für unsinnige Kriege und überbordende Rüstung und Unsummen für angebliche innere Sicherheit ausgegeben werden, um nur einige Beispiele zu nennen.

      Die Proteste sind m.E. die allmählich einsetzende Reaktion auf diese Verhältnisse und leben damit zunächst einmal von der Unzufriedenheit und Empörung der Menschen. Ich denke, dass man das zur Schau gestellte Schimpfen und Jammern von Politikern deutlich vom “Schimpfen” der Demonstranten unterscheiden muss. In dem ersten Fall geht es darum, sich für künftige Wahlen in Position zu bringen, in dem zweiten eher darum, eine längst überfällige Mitbestimmung einzufordern. Welche konkreten politischen Forderungen und Zielsetzungen sich daraus ableiten, das bleibt abzuwarten. Dass Vermögen, Ressourcen und Chancen hierzulande mehr als ungerecht verteilt sind, daran kann man bei aller Unterschiedlichkeit der Auffassungen, allerdings kaum zweifeln.

      Ich hoffe, es ist mir gelungen, Dir zumindest das, was ich mit der Bewegung verbinde, ein wenig näher zu bringen.

  4. Danke Jacob,
    gut strukturierte und aufschlussreiche Antwort.
    In vielen deiner Anmerkungen gebe ich dir Recht. Gleichzeitig bestätigst du meine Annahme, dass es keine konkreten Lösungsansätze gibt. Ich denke einfach, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, dass eine Demonstration FÜR etwas mehr Sinn hat, als die Kundgebung, dass man mit VIELEM nicht einverstanden ist.
    Ich denke in Deutschland geht es uns vergleichsweise mit allen anderen Ländern extrem gut. Diese Protestbewegung ist ein Luxus. Man ist nie zufrieden. Da nehme ich mich nicht raus. Klar läuft nicht alles gut bzw. vieles ziemlich scheiße. Aber in vielerlei Hinsicht können wir es uns kaum erlauben zu meckern.
    Was z.B. die Bildung angeht, muss ich widersprechen. Dabei sei außer Frage gestellt, dass es viele Baustellen gibt und das Schulwesen nicht optimal verläuft. Dennnoch kann ich hier selbst ein Beispiel dafür sein, dass Bildung in Deutschland für jeden frei zugänglich ist. Ich wuchs in einer sozial schwachen Familie auf. Habe mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg gemacht und studiere jetzt. Dank Bafög ist Bildung tatsächlich für jeden zugänglich. Hier spreche ich jedoch nicht von Chancengleichheit, dies liegt weiterhin in der Verantwortung der Eltern. Ich kann nicht behaupten, dass ich das gutheiße.
    Bei aller Kritik sollte man aber nicht vergessen, dass jeglicher Einsatz finanziert werden muss.
    Zur Krankenversicherung muss ich anfügen, dass auch das ein Luxus ist.
    Es ist klar, dass man nicht alles einfach hinnehmen sollte. Überall gibt es Potential und auch Tücken. Jede politische Entscheidung hat eine Berechtigung. Ich denke, dass die Problematiken allen bekannt sind und jegliche Veränderung auch seine Nebenwirkungen mit sich bringt. Deshalb kann man nie wirklich sagen was richtig und was falsch ist. Es gibt keinen einfachen und schnellen Weg. Es ist zu komplex.
    Ich finde die Bankenspritze auch nicht gerecht, kann mir hier jedoch keinen Urteil erlauben, da ich keine Vorstellung davon habe, welche Alternative es gäbe und welche drastischen Folgen sie mit sich bringen könnte.
    Definitiv muss an dieser Stelle etwas geklärt werden. Ich wüsste aber nicht wie und denke nicht, dass die Demonstranten dies könnten, was du ja bestätigt hast.

    • Hallo Tingeltangel,

      ich denke, es geht vielen ähnlich wie Dir, umso mehr freut es mich, daß Dich die Suche nach Infos auf (u.a.) diese Seite geführt hat. Das Bild, das die Medien zeichnen, naja, davon handelt ja der Artikel. Ich denke, viele Deiner Fragen wirst Du letztlich nur beantworten können, wenn Du zu einer Versammlung gehst, Dir anhörst, was die anderen sagen und auch Deine eigenen Gedanken einbringst. Es geht eben genau darum, daß es keinen schnellen Weg gibt (die Politik muß das behaupten, sonst erübrigt sich ihre Daseinsberechtigung in dem System, das wir haben – und es ist eine sehr effektive Art, jede Suche nach Alternativen – also genau das, was gerade langsam stattfindet – als kindisch und effektivlos darzustellen, damit der Karren trotz gebrochener Achsen irgendwie weiterläuft). Der Impuls, sich in großen Gruppen zusammen zu setzen und zu reden entspringt bei vielen sicher genau den (oder anderen, jeder empfindet das ein bisschen anders, das Resultat ähnelt sich aber am Ende) ‘Widersprüchen’ und ‘Komplexitäten’ (um es mal so zu nennen), die Du ansprichst. Die sind nur gemeinsam mit dem Beitrag vieler Einzelner anzugehn. Je mehr Menschen das begreifen – daß es an ihnen liegt, Dinge an- und auszusprechen und nach Lösungen zu suchen – umso besser.

      ‘Die Banken’ sind nur das sichtbarste Problem – ein Protest nur dazu wäre ohne wirklichen Einfluß, sozial würden wir trotzdem weiter den Bach runter – es ist diese ganze ‘Logik’, die für jeden Einzelnen, der/die in dieser Gesellschaft bestehen will, den Konkurrenzkampf mit allen anderen scheinbar unausweichlich zur Bedingung macht, und uns entmenschlicht. Die ganzen Ideologien und politischen Meinungen sind doch nur subjektive Reaktionen auf das Gefühl, dass das eigene Leben potentiell nicht respektiert wird, bedroht sein könnte, und sich dagegen abzusichern. Solange wir das gegeneinander tun, zerstören wir uns nur weiter.

      Das steht nirgendwo so Wort für Wort ausgesprochen, ich kann nur meinen eigenen Eindruck wiedergeben, aber persönlich empfinde ich dieses Gefühl – endlich diese Spaltungen zu überwinden, sich kollektiv das Recht wieder zu erkämpfen, MENSCH zu sein – als den Motor hinter diesen Protesten.

      Deshalb möchte ich Dich einladen, wo immer Du wohnst, geh hin und lerne diese Menschen kennen. Alle Texte darüber können nicht das wiedergeben, was vor Ort passiert. Das musst Du selbst erfahren, und dann für Dich entscheiden, ob es Dir deine Mühe und Deinen besten Willen wert ist.

      Ich kann Dir sagen, es tut gut. Jedenfalls ging es mir so, wir hatten nach dem Samstag gestern in Bremen ein Treffen und machen weiter. Langer Atem ist gefragt – das ist in unseren schnell-lebigen Zeiten fast wie ein Anachronismus, aber anders geht es nicht.

      Ich wünsche Dir dabei alles Gute,
      Jeff

  5. Ich habe an der Demo in Frankfurt teilgenommen, weil ich nicht akzeptieren kann, dass von den Regierungen in Europa ständig Einsparungen im Sozialbereich gefordert werden, dass sinnlose Kriege und Waffen finanziert werden, dass Menschen weiter zu Billiglöhnen versklavt und ausgebeutet werden, dass es keine Chancengleichheit im Bildungssystem gibt, kein Geld für Kindertagesstätten und Ganztagsschulen, unsägliche Kürzungen bei Hartz-IV, usw. usw.
    Rücksichtslos werden aber unzählige Milliarden von 2008 bis heute und für die Zukunft für Banker und Zocker gezahlt zum Schaden aller Steuerzahler. Bis heute ist man nicht bereit, das System, durch das sich Banker und Zocker am Markt und mit Immobilien unendlich bereichern können, zu verbieten. Wir werden weiter durch Politiker und Medien verdummt und belogen. Die betrügerische Schattenwirtschaft kann fortgesetzt werden, zukünftig noch ausgiebiger. Für alle gezielt geplanten Verluste, zur Bereicherung der BANKER und ZOCKER und Rating-Agenturen, soll der Steuerzahler in Anspruch genommen “HAFTEN”!!!

  6. Um ehrlich zu sein, ich habe bei der Occupy Bewegung mehr als wie nur ein flaues Gefühl im Magen, dennoch sollten jetzt alle die an der Wahrheit interessiert sind, die Gunst der Stunde nutzen. Dabei denke ich an Henry Fords bekannter
    Erkenntnis: “Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh.”
    Es ist die Zeit gekommen, wir sollten die offensichtlich empörten und zutiefst beunruhigten Menschen in aller Welt erklären wie unser Geldsystem funktioniert.
    Die Stunde der Menschen, die dieses mit einfachen Worten vermögen und die breite Masse der Bevölkerung erreichen können ist jetzt gekommen. Dabei denke ich an Franz Hörmann, Otmar Pregetter, A. Popp und seiner Wissenschaftsmanufaktur so wie viele Andere noch.
    Sie sollten jetzt ihre Vorträge auf den Marktplätzen und allen anderen
    Demonstrationsschwerpunkten  halten, da wo viele Menschenmassen gegen die Banken protestieren.
    Interessant wären doch auch Flugblätter zu verteilen, in denen unser parasitäres System der Geldschöpfung einmal so beschrieben wir, dass auch die Masse auf der Straße es versteht. Und wo besser könnte man diese Flugblätter besser verteilen als wie bei einer Occupy Veranstaltung.

  7. Hallo alle mittensamt, Da liegen wir ja nicht weit auseinander mit unseren Meinungen, wie in meinen Post nachzulesen “2000 Menschen für mehr Demokratie auf dem Augustusplatz – erstes Resümee” ist ja auch kein Wunder.
    Klar müssen sie jetzt einen Buhmann vor Loch schicken und wer ist das besser geeignet. Nur sägen da gerade welche an ihrem eigenen Ast schneller als ihnen Flügel wachsen. Das kommt mir so vor, als ob der Jagdhund seinem Herrchen befiehlt die Enten, die er geschossen hat, selbst aus dem Wasser zu holen, weil ihm das Wasser zu kalt ist.
    Aber Spaß bei Seite, ich habe noch eine wichtige Anregung: Habt Ihr Euch das gut überlegt mit den Montagsdemos. Als alter Waldschrat würde ich das ändern, denn in zwei Wochen werden die Uhren umgestellt und dann ist es duster und kalt. Meine Idee wäre, themenbezogene Abende zu veranstalten, Zur Erläuterung aktueller Ereignisse oder Hintergründe z. B. zum Geld und der Zinspolitik der Banken. Und um gezielte Aktionen vorzubereiten und weitere Partner zu finden. Es wäre schade wenn die Aktionen auf Grund des hereinbrechenden Winters einschlafen. Wir müssen Aktion sein und nicht aufs Wetter erst reagieren. So viel wollte ich dazu noch gesagt haben.
    @ Jeff/Masereel, ich hoffe ich darf Du sagen, Du sprichst genau das aus, wie ich es selbst empfinde. Es wird keine schnelle Patentlösung geben und auch keine bundesdeutsche oder sonstwie. Wir werden in den Regionen unterschiedliche Lösungen finden müssen. Dazu sollte die Bewegung die Basis dazu sein. Die fortschreitende Zentralisierung, denn was anderes ist die Globalisierung im Bereich des Kapitals nicht. Sie ist die Maximierung der Gewinne auf Kosten der Verluste anderer, der Masse. Sicherlich geht es uns verhältnismäßig gut, aber zu welchem Preis, Rodung des Regenwaldes für Biosprit statt effektivere Verkehrsmittel mit sinkenden Energiebedarf, die technisch schon längst realisierbar sind, umzusetzen. Oder frage doch mal einen Handwerker oder eine Frisöse ob sie von ihren Lohn leben kann, also Menschen die Werte schaffen, sind doch hier die erster Reihe vom Prekariat! Die Liste könnte ich weiterführen.
    Viele Grüße Salute Mike

    • @muzungumike
      Sicher geht ‘Du’ klar, ich mache das ja auch :) (manchmal vielleicht etwas vorschnell, andererseits mache ich mit ‘Sie’ im offline Leben meist die Erfahrung, daß es eher unpersönlich und distant aufgefasst wird – was ich wiederum an sich sehr positiv finde, die Höflichkeitsform ist hohl wenn zwischenmenschlich trotzdem kein ehrlicher Respekt in der Kommunikation ist)
      Ich kann Deinem Kommentar nur zustimmen! Das ist das frustrierende, wieviele Alternativen es in jedem Bereich gibt und wie wenig sie in der Öffentlichkeit bekannt sind und besprochen werden/wurden (bzw. einfach verzerrt und falsch dargestellt werden). Das Tolle wiederum ist, wenn sich nun viele lokale Initiativen aus verschiedenen Bereichen verbinden und ihre Erfahrungen und Kämpfe in einen ganzheitlicheren Kontext stellen/sehen/weiterführen. Je mehr das passiert, umso koherenter wird das, was daraus entsteht.

  8. Das Schöne und Wichtige ist, dass wir gesehen haben, dass es überall auf der Welt noch Menschen gibt, die eine bessere Welt wollen. Das heißt: Man weiß nun, dass man in den kommenden Zeiten größerer (finanzieller) Not mitunter Menschen haben wird, mit denen man sich im Hinblick auf Versorgungsfragen vernetzen kann. Ich denke, Systeme unbürokratischer gegenseitiger Hilfe sind im Kommen – es haben ja schon genug Leute schlechte Erfahrungen mit der staatlichen Fürsorge gemacht und es werden krisenbedingt immer mehr.

    Schön ist es auch immer, wenn eine medial aufgebaute Lichtgestalt wie Joachim Gauck endlich öffentlich sein wahres Gesicht zeigt. Soviel Verachtung wie der wehrte Herr muss man erst einmal in ein paar Sätzen unterbringen können. Das war schon beachtlich.

    Jetzt liest man erwartungsgemäß Forderungen nach Kanalisierung des Protest in geregelte Bahnen, etwa in Form von Bündnissen mit Parteien und Gewerkschaften. Dabei wissen die meisten wohl, dass man damit dem Protest ganz schnell seine Kraft und seine Hoffnung austreiben würde, was von manchen Seiten auch sicherlich intendiert ist.
    Deshalb gilt: Wachsam sein, sich nicht vereinnahmen lassen von denen, denen es eh nur um den Erhalt des jetzigen Systems sind – und die bestenfalls zu leichter Oberflächenkosmetik bereit wären.
    Das gilt für sämtliche Parteien, aus denen jetzt der Zuspruch zu kommen scheint.

    Ebenso dienen diese ganzen Forderungen nach konkreten Zielen der Bewegung auch bloß der Zähmung und Wiedereingliederung ins herrschende System. Man sollte dem nicht vorschnell entgegenkommen. Die amerikanische Bewegung hat darauf sehr gut reagiert: Zunächst geht es um Mobilisierung und darum, die richtigen Fragen zu stellen – statt mit vermeintlichen Antworten zu paradieren, die ohnehin von sämtlichen Vertretern des herrschenden Systems in Politik und Medien sofort als unrealisierbar, töricht und “unsäglich albern” (Gauck) in der Luft zerpflückt würden.

    Außerdem lässt sich die Kritik an den herrschenden Verhältnissen längst nicht mehr an einzelnen Punkten festmachen. Ein Herrschaftssystem wie der globale Kapitalismus in seiner jetzigen Ausprägung ist ja ein totales System, praktisch ein 3D-Modell. Dass die Lockerung der ein oder anderen kleinen Schraube dem System nicht viel anhaben kann, wissen gerade jene, die gern nach konkreten Zielen verlangen.
    Ziele gibt es in der Tat viele – diese Ziele gehen alle in Richtung mehr Freiheit und Würde für die Menschen. Letztendlich münden sie aber alle im notwendigen umfassenden Systemwechsel – und der lässt sich mit ein paar einzelnen Agendapunkten nicht umfassen. Und natürlich bedarf es für dieses Ziel eines offenen Prozesses, in den immer weitere Erkenntnisse und Ideen einfließen können – was jedwede Art von Parteiprogramm nicht leisten kann.

    Die Herausforderung besteht also darin, sich jetzt nicht vereinnahmen und im Entgegenkommen an bestehende Erwartungshaltungen von Medien und vermeintlichen Sympathisanten nicht klein machen zu lassen.

  9. @ A.S. Flickering
    Letzteres kann ich nur dick unterstreichen, dies war das Ende des aufrechten Ganges 1990 für die Bürgerbewegten. Eine Verfassung haben wir bis heute nicht, sie wird nicht einmal mehr versprochen, von keiner politischen Kraft! So viel zu dem Thema, “dessen Brot ich eß, dessen Lied ich pfeif”.
    Ich habe da schon viel u.a. mit Martin darüber gestritten, Ich glaube diese vernetzen Verbände, nicht nur virtuell, sondern die Schaffung von autarken Strukturen ist ein Weg um der Vereinnahmung zu entgehen, die sonst früher oder später doch droht. Hinzu kommt das in kleineren Strukturen Kommunikation und Kooperation wesentlich besser funktionieren.

  10. Ich habe auf youtube ein passendes Video zum Thema Occupie – Occupy gefunden, eine alte aber immer noch aktuele Rede von Charlie Chaplin aus dem Jahre 1940.

    Was haltet Ihr davon?

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