„Die Bewegung“ nach dem 15. Oktober

Ein Pamphlet

Von Florian Hauschild
 
Der folgende Text spiegelt eine Einzelmeinung wider – soll als solche aber in den gemeinschaftlichen Diskurs eingebracht werden. Wie  immer wird die darauf folgende Debatte Zustimmung, aber auch Ablehnung ausdrücken. Wie immer ist genau dieser argumentative Konflikt als Weg  das Ziel.

Nun waren wir also auf den Straßen und Plätzen. Weltweit, Millionen von uns und haben das gezeigt, was wir schon länger wissen: Überall auf der Welt sind die Menschen nicht mehr einverstanden mit dem bestehenden System, sprich mit den vorherrschenden Machtverhältnissen, aber auch  mit der Art und Weise wie Entscheidungen getroffen werden und nach welchen Prioritäten dies von Statten geht.

Allein in Deutschland waren wir rund 40.000, die  Präsenz auf den Straßen und Plätzen gezeigt haben. Hinter jedem von uns  steht eine uns selbst unbekannte Zahl von Sympathisanten, die ebenfalls „wir“ sind. Wir haben all Jene Lügen gestraft, die noch vor Kurzem als  scheinbar unverrückbare Wahrheit verkündet haben: „In Deutschland geht  sowieso Niemand auf die Straße“.

Statt Einsicht sehen wir von Seiten genau dieser Akteure nun aber ein gezieltes Umdeuten der Proteste, teils ein Diffamieren, und sogar  Vereinnahmungsversuche. Manch Einer meint auch zu wissen: „Das ist ein  Strohfeuer, das ebbt schon wieder ab. Die Banken werden „gerettet“ und  dann ist wieder Ruhe.“ Doch sei hier gesagt: Es geht um weit mehr!

„Wir sind die 99%“, heißt es seit einiger Zeit, was allerdings nicht heißen soll, dass nur wir, die bereits Flagge  zeigen, dies sind. Unser Slogan ist eher wie folgt zu verstehen: Wir  sind Teil der 99% der Menschen, denen das bestehende Gesellschaftssystem  nicht zu Gute kommt. Wir sind Diejenigen unter den 99%, die ob dieser Umstände angefangen haben, ihre Stimme zu erheben.

Wir erheben unsere Stimme jedoch nicht, weil wir glauben ein exklusives Recht dazu zu haben, wir erheben unsere Stimme mit dem Ziel, dass all die, die dies noch nicht tun, sich ein Beispiel an uns nehmen und ihr  Schweigen ebenfalls brechen.

„Wir sind die 99%“ heißt ebenfalls nicht, dass uns eine Gesellschaftsordnung vorschwebt, die „nur“ diesen 99%  dient. Die Veränderungen, die wir suchen herbeizuführen, sollen allen  Menschen zu Gute kommen, auch jenen, die – gewollt oder ungewollt – von den jetzigen Spielregeln profitieren. Unsere Protestformen richten sich  daher auch nicht gegen „die Bänker“, wie etwa Frau Merkel nun populistischerweise zu verbreiten versucht, indem sie glaubt, das demokratische Erwachen der Menschen gar als Legitimation für die weitere Produktion von Beruhigungspillen missbrauchen zu können.

Unsere Proteste richten sich auch nicht (nur oder überhaupt) gegen „den Kapitalismus“, wie Herr Gauck glaubt, verbreiten zu dürfen und solchen Falschaussagen geschwind noch ein „unsäglich albern“ anzuhängen. Auch wir wissen, dass wir als Menschen Handel brauchen. Auch wir wissen, dass die Arbeitsteilung und der Austausch von Leistung Errungenschaften  sind, die es zu bewahren gilt. Wir wehren uns lediglich gegen die  Propagandalügen, die da sagen, bei den bestehenden Wirtschaftsstrukturen handele es sich um „freie Märkte“, die es zu schützen und zu „beruhigen“ gilt – oder gar um ein erhaltenswertes Gesamtsystem als solches.

Unser „Sprung auf die Staße“ geht auch nicht auf die Wall-Street-Proteste zurück, wie nun gerne behauptet wird. Unsere Vernetzung hat ihren Ursprung in den spanischen Protesten im Mai dieses Jahres, welche ihrerseits die Vorstufe zu „Occupy Wallstreet“ waren. Auf die Proteste am 15. Oktober haben wir uns bereits Ende Mai verständigt.

Wir wissen, dass ein sinnvolles gemeinsames Wirtschaften nur unter der Prämisse der Kooperation – und eben nicht auf Grundlage von Konkurrenz möglich ist, wie es die derzeit noch herrschende Dogmatik propagiert. Wir wissen auch, dass sich unser Wirtschaften und unser Konsum an den Ressourcen auszurichten hat, die uns auf unserem Planeten zur Verfügung stehen. Wir wissen, dass es ein Irr- und Wahnsinn ist, aus reinem Profitstreben den immer widerwärtigeren Raubau an Mensch, Tier und Natur voranzutreiben.

Die bestehende Wirtschaftsordnung ist – als Folge  eben jenes Monopoly-Konkurrenzdenkens – hochgradig oligarchisch bis monopolistisch. Ebenso wie die grundlegenden Strukturen des bestehenden Geldsystems, das fast alle Lebensbereiche tangiert, wenn nicht gar dominiert. Die bestehenden politischen Systeme, in denen wir leben sind nicht demokratisch, sondern wurden längst von eben jenen Wirtschafts- und Bankenoligopolen vereinnahmt.

Wir wehren uns also auch gegen die Verwendung falscher Begrifflichkeiten, die die Grundlage von Massenmanipulation und gezielter Sabotage politischer Diskurse sind. Wir plädieren für politische Bildung von uns allen, deren Folge ein klarer Blick auf die  herrschenden Gesellschaftsstrukturen sein wird, in denen Begriffe wie  „retten“, „helfen“, „Reformen“ und „Wachstum“ als das erkannt werden, was  sie sind: Propagandistischer Neusprech, der dem immer gleichen Ziel dient: Die Allgemeinheit zu verwirren, zu spalten, uninformiert zu halten und sie so zu beherrschen.

An die Stelle dieser spalterischen Konkurrenz- und Parteienpolitik setzen wir konsensfördernde Kommunikationsformen. Asambleas  im virtuellen und im physischen Raum treten an die Stelle von Stellvertreterdebatten in den Konzernmedien. Direkte basisdemokratische Strukturen ersetzen korrumpierte Repräsentationssysteme, und stehen schon jetzt als Alternativen bereit, sobald letztere ohnehin unweigerlich kollabieren.

Wir haben die Lügen dieses im Kern längst schon gescheiterten Systems erkannt und entlarvt. Wir werden diese Lügen auch weiterhin entlarven. Und während viele sich noch fragen, wie wir „es“  eigentlich machen wollen, machen wir es längst: Wir vernetzen uns  dezentral und kommunizieren miteinander – nicht mehr und nicht weniger.  All Jene, die Hoffnung in diesen Weg setzen, sind eigentlich schon Teil von „uns“. All Jene, die glauben, dies wäre naiv, Jene, die jetzt noch über „die Bewegung“ spotten, Euch sagen wir:

Ihr werdet Euch noch mal gewünscht haben, wir wären naiv! Wir wissen genau, was wir tun. Und wir sind längst viele Millionen. Wir sind eine bunte Vernetzung unzähliger Menschen. Wir sind friedlich und gewaltfrei, aber wir sind ebenfalls wortgewaltig und radikal, wenn es um die Verbreitung der hier aufgeführten Tatsachen geht. Wir sind eine revolutionäre „Bewegung“ und unsere Waffe ist das Wort.

Den reaktionären Kräften, die nun noch versuchen, uns klein zu halten, uns umzudeuten und uns zu vereinnahmen, sagen wir: Wir werden auch weiterhin willentlich und bewusst alles tun, um die Illusionen und die Traumblasen, die Ihr in Euren Köpfen für die  Wirklichkeit haltet, zu zerstören. Wir werden Euch hierfür weiterhin mit  Information konfrontieren, die Euren Irrglauben, das bestehende Gesellschaftssystem hätte auch nur die geringste  Überlebenschance, zerplatzen lässt.

Ihr könnt all dies eine Weile ignorieren –  irgendwann werdet Ihr versuchen, uns zu zensieren, aber Ihr könnt vor der Wahrheit nicht davon rennen. Wir werden alle Eure Illusionen und Trugbilder, Euer nur scheinbar berechtigtes Vertrauen in ein bereits gescheitertes System hinrichten, hinrichten, hinrichten; zerschmettern, zerschmettern, zerschmettern, bis in Euren Köpfen alles in Ruinen liegt und auch Ihr bereit seid für die Saat des Neuen.

Jacob Jung zu den Ereignissen:

- Bewegung 15. Oktober: Mehr als nur Protest gegen Banken

- Occupy the Occupy: Bewegung 15. Oktober wird vereinnahmt

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62 Responses to “„Die Bewegung“ nach dem 15. Oktober”

  1. DANKE!!! Besser kann man es nicht beschreiben!!!

  2. hatte mich schon länger gefragt warum auch so manch ein “intellektueller” einen bogen um spanien gemacht hat. danke florian + jakob für die aufklärenden texte…

  3. Super Artikel, vielen Dank! Im Prinzip kann niemand, der einigermaßen klar denkt und etwas Leidenschaft und Idealismus besitzt, gegen diese Argumente sein!

  4. BRAVO !!! Da stehe ich dahinter!

  5. Alles schön und gut was du schreibst, aber leider hat sich wieder die falsche Betrachtungsweise eingeschlichen, dass es nicht gegen den Kapitalismus geht.Um was denn sonst? Echte Demokratie ist im Kapitalismus nicht möglich.Genau das halte ich für eine journalistische, propagandatechnische Kernaufgabe: zu formulieren, dass gerechte Strukturen in der sogenannten “freien Marktwirtschaft” nicht möglich sind.Die Entwicklung einer gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, etc. Alternative (egal ob online oder auf Asambleas) , deren Publizierung und Realisierung in kleinen Modellen/ Zellen / Kollektiven ist eine Grundvorraussetzung dafür grössere Bevölkerungsschichten für die Revolution zu gewinnen.

    • Naja die so genannte “freie Marktwirtschaft” ist eben keine freie Marktwirtschaft, deshalb ist die Debatte im Kern schon absurd. Wenn man den Begriff “Kapitalismus” verwendet um das vorherrschende Konkurrenz- und Ausbeutungssystem zu beschreiben gebe ich dir ebenfalls Recht. Eine kooperationsbasierte Marktwirtschaft wäre demnach kein Kapitalismus. Viele andere Leute mögen den Begriff Kapiatlismus aber anders verstehen. Wenn jemand ein System “Kapitalismus” nennen will in dem es auf Grundlage eines gerechten Geldsystems und fairen Regeln Handel auch mit Kapitaleinsatz gibt, frage ich mich schon…warum eigentlich nicht? (Wenngleich ich es für sinnvoller halte für ein solches System einen anderen Begriff zu verwenden).

      Ich denke der Schritt zur wirklichen Kooperationsgesellschaft ist erst der übernächste. Als nächster Schritt sollte ein gerechtes Bezahlsystem das wirklich dem Handel untereinander dient (und nicht der massenhaften Ausbeutung) auf die Agenda sowie die Zerschlagung monopolistischer Wirtschaftsstrukturen und damit die Rückverteilung zu massiver Vermögenskonzentrationen. Uns steht die Scheisse wirklich bis zum Hals und sofort von Garten Eden zu träumen halte ich für wenig zielführend. Zuerst einmal müssen gerechte Strukturen her, die die Menschen aus ihrem Sklavendasein befreien und ihnen die Möglichkeiten geben sich zu bilden. Diese Bildung führt dann wohl zum Menschen und zur Sozialstruktur wie sie dem Solarmann (glaube ich) vorschwebt. ;-)

      Wie auch immer. Es sind letztendlich wirklich derlei Kampfbegriffe wie “Kapitalismus” die uns spalten. Deshalb ist es vielleicht sinnvoller sich auf das zu konzentrieren was man will und nicht darauf wie man es nun nennt. Zur Sache mit den Propagandabegriffen verweise ich nochmal auf folgenden Zweiteiler: http://theintelligence.de/index.php/gesellschaft/volksverdummung/3041-das-wort-als-waffe.html

      • Da das Geldsystem als Knüppel zur Knechtschaft, ja zur Versklavung der “99 %” benutzt wird, müssen wir uns tatsächlich sehr genau fragen, wie mit Geld umgegangen wird und ob Geld heute überhaupt noch notwendig ist, dass heißt, ob es heute notwendig ist, Geld zu verteilen, um die produzierten Güter zu verteilen! (was ja doppelt gemoppelt ist, oder?) Letzteres ist natürlich ein zu breites Thema, um es hier zu diskutieren und ich habe – ehrlich gesagt – keine wirkliche Lösung, sondern nur diese Idee im Kopf. Ich weiß jedoch, dass die Industrie heute in der Lage ist (und es auch tut), mehr zu produzieren als notwendig ist, um JEDEM auf unserer Erde Obdach, Kleidung, Nahrung – und mehr! – zu ermöglichen. Die Güter werden künstlich knapp gehalten (durch Vernichtung!!), um die Preise = die Profite zu steigern! Genau dieser Überschuss an produzierten Waren ist ja EIN Grund der Kriege – man kann dann so schön neue Waren verkaufen… (entschuldigt den Zynismus).

        Mal abgesehen von einigen Versuchen, eine zinslose lokale Währung zu schaffen, die das Geld “fließen” lässt und nicht erlaubt, dass es irgendwo “gestaut” wird, gibt es keine Versuche einer geldlosen Gesellschaft. Ob diese Modelle der lokalen Währung allgemeingültig sein können, weiß ich nicht.

        Ansonsten gebe ich Dir recht, es sollte nicht an Begrifflichkeiten scheitern.

        Da an Begriffen jedoch bestimmt Inhalte gebunden sind, müssen wir uns über die Begriffe und deren Gebrauch schon sehr klar sein! – Worte sind Waffen! -

        Kapitalismus = Ausbeutung des Menschen durch den Menschen durch das Privat-Eigentum an Produktionsmitteln (Maschinen, Anlagen, Grund und Boden, Gebäude, Geld, Menschen, wobei die Menschen ja nur scheinbar “frei” sind, denn sie sind durch das Geld versklavt!) + gesellschaftliche Arbeit (durch die 99 %) und private Aneingnung der Früchte dieser Arbeit (durch die 1 %).

        Genau dieser Inhalt des Begriffs “Kapitalismus” soll ja verwischt werden und jede Kritik bzw. Versuch des Abschaffens dieses menschenfeindlichen Gesellschaftssystems wird mit allen Mitteln bekämpft – auch durch “Tabus” – wie “darüber müssen wir nicht reden”! Wir müssen auf jeden Fall!

        Auch die Dämonisierung des Sozialismus gehört in die Kategorie der “psychologischen Kriegsführung”, denn mit der Kriminalisierung dieses Systems, dass – so rufe ich gern in Erinnerung – gar mit dem Faschismus gleichgesetzt wird!!, ist versucht worden und wird bis heute versucht, jedes alternative Denken, das die Abschaffung des Kapitalismus zum Ziel hat, aus den Köpfen zu verbannen. Wer möchte schon ein Faschist sein? Die Dämonisierung wirkt bis heute fort! Wer setzt sich tatsächlich mit dem Sozialismus als System auseinander? Ich höre immer nur Argumente wie: “Der hat gesagt” und “ist noch immer gescheitert” und “Menschenrechtsverletzungen” (wer spricht von den permanenten im Kapitalismus?), “die Menschen taugen nicht dafür”, etc. Da ist eine gigantische Gehirnwäsche von statten gegangen, so dass es heute schon ein Tabu ist, das Wort Sozialismus überhaupt in den Mund zu nehmen! Denken! Wer hat diese Parolen in die Welt gesetzt? Von wem kommen diese Argumente? Wer hat dafür auf welchem Weg gesorgt, dass dieser Versuch scheitern musste? Wer hat dafür gesorgt, dass es keine wirkliche Auseinandersetzung mit dem System des Sozialismus und seines Scheiterns gibt? Fragen über Fragen!

        Zum Schluss ist es wurscht, wie eine gerechte menschliche Gesellschaftsform genannt wird. Wichtig ist allein, dass der Mensch endlich frei atmen und leben und seine Talente verwirklichen kann.

  6. Was ist denn eigentlich die Krise?
    Große Wahrheiten sind einfach
    Bei den Demonstranten von Kairo bis zu denen in Manhattan herrscht überall
    dumpfer Groll, Wut, berechtigter Zorn über die realen und bedrohlichen
    Auswirkungen des weltweiten Systems “Finanzwirtschaft”. Aber leider wird
    bisher nur die Bekämpfung dieser Auswirkungen diskutiert. Was fehlt, ist eine
    klare Analyse der Ursachen, und die muss rational sein, für jeden verständlich,
    keine ideologische Dunstwolke, kein Streit zwischen einander widersprechenden
    Geldtheoretikern. Ein klarer Blick auf die vorhandenen Tatsachen muss genügen.

    Beim Schwarzen Freitag 1929 verquickten sich die beiden alten Problemfelder
    der westlichen Zivilisation: der Handel mit Geld und der Handel mit Grundstücken,
    oder die Finanzwirtschaft und die Grundstückshypotheken. Kirche und Islam
    hatten die Finanzwirtschaft sehr frühzeitig als Unheil bringend erkannt und
    verboten, in der damals verständlichen Form des Zinsverbots. Christen und
    Moslems unterliefen dies Verbot. Die Finanzwirtschaft ist heute nicht ein
    kleiner Zweig der Wirtschaft, sondern sie ist vielhundertfach größer als die
    Realwirtschaft. Jedem Zahlvorgang in der Realwirtschaft steht ein Produkt oder
    eine Dienstleistung gegenüber, in der Finanzwirtschaft nicht, es ist reines
    Zocken, Casinokapitalismus, ohne Nutzen für die Gesellschaft – aber 1929 wie
    auch diesmal vor drei Jahren platzten in den USA gigantische
    Spekulationsblasen aus der Verquickung von Spekulation mit Geld und mit
    Grundstücken, der Steuerzahler musste mit unvorstellbar großen Summen
    Pleite-Banken sanieren. Trotzdem ist die Krise nicht vorbei, ist noch nicht
    einmal auf dem Höhepunkt.

    Geld ist keine Handelsware; ist nur Zahlungsmittel, Gegenwert für Güter, die
    einst ohne Geld-Anwendung nur per Tauschhandel ihren Weg fanden.

    Grundstücke sind keine Handelsware, noch kein Grundstück wurde jemals
    hergestellt. Grundstücke gehören in den Bereich des Rechtlichen, nicht des
    Wirtschaftlichen.

    Jeder Neu-Ankömmling auf der Erde stellt fest, dass die Elemente Feuer Wasser
    Erde Luft für jeden Menschen vorhanden und notwendig sind. Die Atemluft
    steht jedem unangefochten zu – aber Grund und Boden ist bereits verteilt, jeder
    Quadratmeter steht im Grundbuch eingetragen mit einem Eigentümer, der den
    höchsten Schutz des Grundgesetzes genießt. Das verletzt die Würde jedes neuen
    Erdenbürgers.

    Unser Umgang mit Grund und Boden ist aber nicht nur ein Verstoß gegen das
    Grundgesetz, er ist auch Ursache für regelmäßig wiederholte Katastrophen der
    Wirtschaft. Fehlende Einsicht in diese Zusammenhänge schafft immer wieder
    neue Katastrophen, und die sind bei jeder Wiederholung weit größer als die
    vorhergehende war.

    In einer wohnungspolitischen Debatte zur Neuen Heimat im Bundestag am
    14.3.1986 habe ich ganz vorsichtig formuliert: “Wohnen ist ein Grundbedürfnis,
    das aus unserer Sicht eher als Grundrecht gesehen und auch als Grundrecht
    organisiert werden muss und das daher nicht so wie andere Konsumbedürfnisse
    einfach dem so genannten Markt überlassen werden kann.” Ich erntete für diesen
    Gedanken Ablehnung bei anderen Mitgliedern meines Bundestags-Ausschusses
    für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, und auch meine lieben Grünen
    interessierte dies Thema nicht. (Nachlesbar auf Bundestagsseiten im Internet:
    http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/10/10205.pdf Seite 15745 unten rechts)

    Wie groß war die Katastrophe in der Folge des Schwarzen Freitag 1929?
    Bankenpleiten, Firmenpleiten, Vertrauensverlust in Banken und Politik,
    Arbeitslosigkeit, Inflation, Zulauf zu politischen Extremisten, Deutschland
    wurde von den Nazis geschluckt, die anschließend einen Weltkrieg mit 80
    Millionen Toten verursachten, die bisher größte Menschheitskatastrophe.

    Wie groß werden die Folgen der jetzigen Katastrophe sein? Staatspleiten nur in
    Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien, oder steigern sich die seit
    Jahren allwöchentlich erscheinenden Katastrophenmeldungen noch viel weiter?

    Die Menschen auf dieser Erde, welche nicht unmittelbar zum Bereich der
    westlichen Zivilisation gehören, also nicht in Europa oder englischsprachigen
    Ländern (zunehmend auch die im Westen unter der Armutsgrenze Lebenden),
    die sehen im westlichen Lebensstil und im westlichen Bankwesen die
    Ursache für die Wirtschaftskatastrophe, und leider kann der Westen diese
    Anschuldigungen nicht entkräften. Entsteht da nicht zwangsläufig eine Allianz
    gegen “den Westen”? Wird insbesondere der Islam die wachsende Wut auf
    diesen Westen im Zaum halten können oder wollen? Sind heutige islamistische
    Terroristen nur erste Symptome einer drohenden gewaltigen Konfrontation,
    größer als der zweite Weltkrieg?

    Zahlen im neuen Unicef-Jahresbericht 2011 belegen, dass 90 % der Jugend auf
    unserer Erde sich in ähnlicher Lage befinden wie die jungen Ägypter vor ihrem
    Aufruhr: kaum Chancen für Teilhabe an Bildung, Arbeit, politischer
    Mitwirkung. Das Aufbegehren dieser Jugend der Welt wird mit Sicherheit die
    treibende politische Kraft der nächsten Jahre und Jahrzehnte sein. Die restlichen
    zehn Prozent – also unsere Jugend im “Westen” – haben die hohe
    Verantwortung, die vom westlichen Lebensstil und von der westlichen
    Finanzwirtschaft gelegten Ursachen der jetzigen und künftiger
    Weltwirtschaftskrisen rasch zu beseitigen, bevor der Zorn der Weltjugend sich
    gegen uns richtet. Viel Zeit bleibt da nicht!

    Sicher ist erhebliche politische Kreativität gefragt, um vom jetzigen Zustand des
    Handels und des Spekulierens mit Grundstücken zum gewünschten Zustand der
    Organisation von Grund und Boden als Grundrecht zu kommen. Aber zum einen
    gab es schon und gibt es noch heute andere Grundeigentumsverhältnisse, siehe
    Allmende bei Wikipedia, zum anderen kann man sich zur vorsichtigen
    Umwandlung des Grundeigentums in grundrechtsartige Formen des Umgangs
    Anleihen vorstellen an den rechtlichen Regeln des künstlerischen Urheberrechts,
    wo nach 6 oder 7 Jahrzehnten die Erben alles Recht an Kunstwerken freigeben
    müssen für alle.

    Auch zu einem anderen Umgang mit Geld müssen wir kommen. Nicht schlecht ist das
    Beispiel islamischer Banken, bei denen man nicht Kredit gegen Zinsen
    bekommt, sondern Beteiligungen, das Risiko geht also anteilig auch auf die
    Bank über!

    Wichtig ist, zu erkennen, dass gerade die Verknüpfung von Handel mit Geld und
    Handel mit Grund und Boden immer wieder wirtschaftliche Katastrophen
    hervorbringen muss! Das wird man nur erkennen können, wenn man die Krisen
    von 1929 und heute in ihrer gleichartigen Struktur und Folgerichtigkeit sieht,
    und indem man die angeblichen Experten als befangene Insider mit einer
    gewissen Betriebsblindheit einstuft.

    Die auf Geld und Grundstücken errichteten Finanz-”Gebäude” – 1929 wie auch
    jetzt – stellen auf Sand gebaute Häuser dar; sie müssen zwangsläufig
    zusammenbrechen, da ihre Grundlagen buchstäblich Lügen sind: es sind die
    Lügen, Geld und Grundstücke seien normale Handelswaren – was sie eben nicht
    sind! Die Redewendung “auf Sand gebaut”, oder gleichartig “unrecht Gut
    gedeihet nicht” – diese umgangssprachlich recht bekannten Formulierungen
    sagen mehr aus über die Logik unserer Finanzkrisen als die Experten-Gutachten.
    Und die hilflosen Forderungen nach mehr staatlicher Bankenaufsicht und
    Begrenzung der Bonus-Zahlungen sind für die Katz, treffen gar nicht das
    Thema.

    Brauchen wir eine Finanzwirtschaft? Ja, sicher! Und wofür? Zum Beispiel für
    Sparmöglichkeiten zur Alterssicherung und andere nötige Versicherungen,
    und Kredite für nötige Investitionen, gesetzliche Versicherungen für
    Renten und Krankheit und Arbeitslosigkeit, und noch einige andere
    nötige Dinge. Eine solche Finanzwirtschaft, die auf dem realen Bedarf beruht,
    die hätte ein Finanz-Volumen in der Größe eines Bruchteils der Realwirtschaft.
    Stattdessen ist die Finanzwirtschaft heute vielhundertfach größer als die
    Realwirtschaft. Und warum? Weil wir alle uns von den daran interessierten Menschen
    haben weismachen lassen, wir bräuchten ein gigantisches Wettbüro, genannt
    Finanzwirtschaft. Die Geldmenge dieses Wettbüros ist bereits zehnmal so groß
    wie das gesamte Bruttosozialprodukt der Erde. Und wir alle tun immer noch so, als
    wäre das nur eine Spielwiese für Reiche, in Wahrheit produziert es ständig kleinere
    und riesige Finanzkrisen, die sich fast sofort direkt auf die Realwirtschaft auswirken.

    Gewinne sind längst entnommen, Nutznießer bleiben anonym, sind nicht auffindbar,
    wenn die Steuerzahler die Verluste ausgleichen müssen. Die Experten durchschauen
    das immer noch nicht, aber die Bürger beginnen allmählich mit dem Durchblick,
    Proteste von Ägypten, Madrid, Israel, New York usw beruhen oft noch nicht
    auf gründlicher Analyse, eher auf Ahnung und Gespür, aber das politische
    Bewußtsein wächst und wächst. Das alles kann man natürlich auch als den
    ganz normalen Kapitalismus bezeichnen, aber das bringt jetzt nicht weiter.

    Bei den heutigen Strukturen in der westlichen Welt zahlen bisher immer die
    Steuerzahler, wie schon gehabt, bei Zocker-Banken-Pleiten in den plötzlichen
    und angeblich völlig unvorhersehbaren Finanzkrisen, bei Atommüll-
    Endlagerung, bei staatlichen Mietzuschüssen wegen überhöhter Mieten
    (“Bodenrente” durch die Steuerzahler!). Damit das nicht so bleibt, müssen neue
    Gedanken in die Köpfe – solche, wie die hier dargestellten und ähnliche, etwa
    Volksabstimmungen nach dem Konzept von “Mehr Demokratie e.V.” und mehr
    Brüderlichkeit in reichen Industrieländern durch bedingungsloses
    Grundeinkommen nach dem Konzept von Götz Werner – beides leicht
    auffindbar im Internet und bei Facebook.

    Gerd P. Werner, Wenningstedt-Braderup auf Sylt
    (Mitglied des Deutschen Bundestags 1985-1987 in der ersten Fraktion der GRÜNEN)

    • Der Beitrag ist zu gut für einen Kommentar…kann er hier auf der Seite Ende der Woche als Gastartikel veröffentlicht werden? VG Florian Hauschild

    • Wie ich oben anführte, ist es nicht NUR, aber auch das Privateigentum an Grund und Boden. Und ja, Wohnen sowie ALLE Grundbedürfnisse der Menschen dürfen KEINE Ware sein als da sind: Essen, Kleidung, Obdach, Kultur, Bildung, Gesundheit.

      “Sind heutige islamistische Terroristen nur erste Symptome einer drohenden gewaltigen Konfrontation,
      größer als der zweite Weltkrieg?”

      Sie sind produziert, um

      a) zu spalten
      b) genau diesen Krieg zu provozieren.

      Im Krieg verdient man so guuuuut! Und zwar auf allen Seiten!

      Es sind nicht einige Symptome dieser Gesellschaft, die kranken, sondern das ganze System ist von Grund auf faul, korrupt und krank.

  7. “The problem isn’t just a few “bad apples.” The
    crisis is not the result of the selfishness of a few investment
    bankers; it is the inevitable consequence of an economic
    system that rewards cutthroat competition at every level of
    society. Capitalism is not a static way of life but a dynamic
    process that consumes everything, transforming the world
    into profit and wreckage. Now that everything has been
    fed into the fire, the system is collapsing, leaving even its
    former beneficiaries out in the cold. The answer is not to
    revert to some earlier stage of capitalism—to go back to
    the gold standard, for example; not only is that impossible,
    those earlier stages didn’t benefit the “99%” either. To get
    out of this mess, we’ll have to rediscover other ways of
    relating to each other and the world around us.”

    http://cloudfront.crimethinc.com/images/occupy/dearoccupiers.pdf

  8. hallo, gern als gastartikel – vielen dank für die blumen…

  9. Und was kommt nach dem 15. Oktober? was kann ICH tun? Maria Donner meint, dass es ganz einfach ist, sofort etwas zu tun: http://www.oasedermenschlichkeit.de

  10. Lieber Florian,

    danke für diesen Text!

    Er spricht mir aus der Seele.

    Ich stimme mit jedem einzelnen Wort überein.

    Gruß Jürgen

  11. Ich würde es noch weiter fassen. Wir sind Teil der 99% der Menschen weltweit, denen die bestehende Wirtschaftsordnung Ausgrenzung, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Hunger, Krankheit und Tod beschert.

    „Die Verbraucherorganisation Foodwatch attackiert die Banken: Weil die auf Agrarpreise wetten, hätten sie Mitschuld am weltweiten Hungerproblem. Ein Report zeigt, wie Spekulation durch Institute wie die Deutsche Bank die Kosten für Lebensmittel hochtreibt. Das Geldhaus weist den Vorwurf zurück.“
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,792387,00.html

    “It is well enough that people of the nation do not understand our banking and monetary system, for if they did, I believe there would be a revolution before tomorrow morning.”
    - Henry Ford

  12. Hier fiel das Stichwort Knappheit, daher kurz ein Artikel dazu, der heute zu dem Thema veröffentlicht wurde und worin u.a. zu lesen ist: “Wenn jedoch Knappheit eine Form künstlichen Mangels ist, also Mangel eigentlich nicht sein müsste, folgt daraus, dass es auch anders gehen kann. Es kann eine Form der gesellschaftlichen Herstellung der Lebensbedingungen geben, die mit Begrenzungen so umgeht, dass dabei kein künstlicher Mangel — Knappheit — entsteht. Dies kann dann der Fall sein, wenn Güter nicht mehr als Waren produziert werden, die ja die Zwangsknappheit eingebaut haben (a feature, not a bug).”
    http://keimform.de/2011/knappheit-ist-kuenstlicher-mangel/

  13. Und was unser Geldsystem mit den 99% macht nun auch im Handelsblatt: “Über die Jahrzehnte sammelt sich das Geld bei immer weniger Menschen an, während die Masse immer weniger davon hat. Für den Bürger spielt es am Ende gar keine Rolle, wo in diesem System die Schulden liegen – er zahlt am Ende immer; er zahlt seine eigenen Schulden sowieso, die des Staates über die Steuern, und die der Unternehmen über die Produkte, die er kauft, weil da die Zinsen in die Preise eingerechnet sind.” http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/boerse-inside/wir-sind-in-der-endphase/5148778.html

  14. Sehr schöner Text! Auch die Texte von P. Werner und Solveigh Calderin sind durchaus lesenswert.

    Meinerseits eine kleine Anmerkung:

    M. E. geht es derzeit weniger um Eigentumsfragen und auch nicht die Frage “Kapitalismus oder Soziallismus”. Eigentlich geht es um das Modell der Marktwirtschaft. Dieses Modell sieht vor, dass Unternehmen Risiken eingehen, diese Risiken einpreisen und im Falle des Risikoeintritts auch dafür bezahlen müssen. Die (mächtigen) Unternehmen haben sich etwa seit den 80iger Jahren angewöhnt, immer mehr Risiken auf die Allgemeinheit (Steuerzahler) abzuwälzen. Das geschah stets mit Zustimmung der Politik.

    Wir hatten einmal eine “soziale Marktwirtschaft”. Zunächst wurde das Soziale gestrichen und nun wird auch die Marktwirtschaft gestrichen. Was bleibt ist eine unsoziale Mißwirtschaft. Nichts sonst.

    • @”Wir hatten einmal eine „soziale Marktwirtschaft“. Zunächst wurde das Soziale gestrichen und nun wird auch die Marktwirtschaft gestrichen. Was bleibt ist eine unsoziale Mißwirtschaft. Nichts sonst.”

      … und vorher hatten wir den nackten Kapitalismus, den wir heute wieder sehen, der schon von Zolá beschrieben wurde, und der uns zwei Weltkriege gebracht hat.

      Der Kapitalismus als System ist auf die möglichst große Ungleichbehandlung der Menschen ausgerichtet. Im Kapitalismus verkommt alles zur Ware, einschließlich des Menschen selbst. Das beobachten wir heute.

      Es nützt nichts, den Kapitalismus gesund beten zu wollen und mit hübschen Namen wie “sozial” und “frei” und “Marktwirtschaft” zu belegen. Kapitalismus ist weder das eine noch das andere. Er ist von seinem Wesen her asozial, den überwiegenden Teil der Menschen (99 %) knechtend, entwürdigend und entmündigend und “den Markt” gibt es nicht und schon gar keinen “freien”, denn diejenigen, denen die Produktionsmittel gehören (nicht als Besitz, sondern als Eigentum), BESTIMMEN die Gesetze “des Marktes”. Der so genannte “freie Markt” ist eine Illusion, geschaffen, um die Hirne der Menschen zu vernebeln.

      Die heutige Krise ist keine häßliche Mutation des sonst so tollen Systems, sondern das wahre Gesicht des Kapitalismus.

  15. Jacob Jung hat einen Vorschlag für ein Manifest der Bewegung für mehr Demokratie jetzt! entworfen und schlägt vor, dieses gemeinsam weiterzuentwickeln:
    http://jacobjung.wordpress.com/2011/10/17/occupy-the-occupy-bewegung-15-oktober-wird-vereinnahmt

  16. Es gibt hier ganz viele Überlegungen um das WIE.
    Diese Überlegungen sind wichtig und sie sind wichtig global gedacht zu werden.

    Es wird auch mehrfach das WIR-Gefühl angesprochen. Denn wir sind so viele.

    Von Asambleas habe ich heute zum ersten Mal bewusst gehört.
    Und ich achte auf alles, was zum WIR führt.

    Solche “Defizite” hat jeder von uns – gerade weil die Schar der Aktiven so groß ist.

    WIR kann gemeinsam alles auf einen guten Weg bringen. Gut für alle Menschen und alles Leben hier auf der Erde.

    Danke, dass es jeden Einzelnen von euch gibt.

    Schön, dass das Netz immer größer und stärker werden kann.

    Als Anregung http://oasedermenschlichkeit.de/zl/zwein-leben/
    Ein Brief nach zwei unterschiedlichen Entwicklungen geschrieben.

    Mir ist der erste Weg lieber und ich “verzichte” gerne auf den ein oder anderen vermeindlichen Luxus.

  17. ihr, wir? unter den 99% gibt es sicher eine ganze menge, die auf eine revolution…sagen wir mal…scheißen. solange das gehalt rüberkommt, und der urlaub gesichert ist.

  18. @ Solveigh Calderin

    “Es nützt nichts, den Kapitalismus gesund beten zu wollen und mit hübschen Namen wie „sozial“ und „frei“ und „Marktwirtschaft“ zu belegen. Kapitalismus ist weder das eine noch das andere. Er ist von seinem Wesen her asozial…”

    Ist mir zu dogmatisch. Wirtschaften muss sein und Wettbewerb wird es auch immer geben. Entscheidend sind die Regeln und die Einhaltung derselben. Ein Sozialismus ohne Regeln ist genauso asozial wie ein Kommunismus ohne Regeln. Es ist völig gleichgültig welchem “-ismus” wir gerade mal folgen wollen.

    Für das menschliche Zusammenleben ist es ganz wesentlich, dass es Regeln gibt, die von der überwiegenden Mehrheit als sinnvoll angesehen werden. Zweitens ist es wichtig, dass die Regeln ausnahmslos von allen eingehalten werden. Um das sicherzustellen, muss Macht gezügelt werden.

    Die derzeitige Krise lässt sich nicht mit “-ismen” erklären, wohl aber mit der Außerkraftsetzung von wichtigen Regeln und Machtmißbrauch. Oder um das mal in einen provokanten Satz zu bringen: Banken leben derzeit davon, dass sie ganz legal Verbrechen begehen können. Die Verbrechen reichen vom Diebstahl über Betrug bis zu Mord.

    • Natürlich muss “wirtschaften” sein, ob es jedoch “immer” Wettbewerb” nach kapitalistischem Muster, sprich “Friss oder Stirb” geben “muss” oder ob es möglich sein wird, eine Wirtschaft des Miteinander zu erschaffen, ist noch gar nicht raus.

      Sollte es möglich sein, dass wir Menschen uns endlich FREI und SELBST zu bestimmten Dingen entscheiden, statt irgendwelche Gesetze und Verordnungen von “oben” übergestülpt zu bekommen (hier gebe ich Dir recht, egal von welchen -ismen), mag sich unsere Erde in eine ganz neue Richtung entwickeln, deren Ergebnis und Möglichkeiten wir heute noch nicht einmal erahnen können.

      Wenn ich höre: “Es war schon IMMER so” und “Es wird sich NIE ändern”. Sorry, da werde ich … hmmm… etwas ungeduldig!

      Für das menschliche Zusammenleben ist es ganz wesentlich, dass es Regeln gibt, die von der überwiegenden Mehrheit als sinnvoll angesehen werden. Zweitens ist es wichtig, dass die Regeln ausnahmslos von allen eingehalten werden. Um das sicherzustellen, muss Macht gezügelt werden.

      1. Dieses Verfahren erfordert überhaupt erst die Etablierung einer “Macht”. Das “zügeln” kommt, wenn überhaupt, erst nach> der Installation der Macht… Also ist in diesem Verfahren der Machtmissbrauch bereits beinhaltet!

      2. Wer sagt, dass die innerhalb einer Gesellschaft die verabredeten Regeln des Zusammenlebens per Macht von oben durchgesetzt werden müssen? Diebe, zum Beispiel, gibt es nur da, wo es eine ungleichmäßige (von oben verordnete – per Gesetz) Verteilung des Reichtums der gesamten Gesellschaft gibt.

      Was “DIE Banken” jetzt zeigen, ist ihr wahres Gesicht, dass sie in den letzten Jahrzenten ein wenig versteckt hatten. Das Prinzip war seit Gründung der ersten Bank genau das selbe! Die letzte ähnliche Konstellation hatten wir mit der Weltwirtschaftskrise der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts – es ist also absolut NICHTS Neues, und eine Lösung a lá “wir müssen die Macht ein bißchen zügeln” geht nicht an die Wurzeln des Übels. DIe Wurzel ist jedoch die Profitmaximierung um jeden Preis des kapitalistischen Wirtschaftsystems und dessen Grundlage: das Eigentums an den Ressourcen des Reichtums (= Produktionsmittel). Da führt nun mal kein Weg dran vorbei. Hat auch nichts mit Dogmatismus, sondern mit ehrlicher Analyse zu tun.

      Ich finde, wir Menschen könnten nun nach über 5.000 Jahren wirklich mal langsam aufhören, dauernd den selben Quatsch zu wiederholen…

      Schon Einstein wusste:

      “Wir können unsere Probleme nicht mit jenen Denkmustern lösen, die zu ihnen geführt haben.”

      Ich empfehle hier EIN Beispiel, wie eine andere Form der menschlichen Gesellschaft und des menschlichen Wirtschaftens funktionieren könnte. Auf Englisch.

  19. Das ist doch alles nur Gerede.
    Wollen wir den Feind totquatschen oder tun wir endlich ‘mal etwas Handfestes?
    Steht auf und kaempft!
    Ich bin dabei!

  20. Du schreibst Ihr wisst was Ihr wollt. Ich nicht.

    Die Gesellschaft müsse auf Zusammenarbeit, nicht auf Konkurrenz beruhen. Aber es kann nun einmal nicht jeder mit jedem. Und Konkurrenz wird es immer geben. Falls Ihr nicht, wie die Kommunisten, Neue Menschen züchten wollt.

    Vielem von dem, was Ihr schreibt, kann ich zustimmen, auch mich regt auf, dass behauptet wird, das heutige System hätte etwas mit freien Märkten zu tun. Verleumdung.

    Wie auch immer – wenn ich nach Euren Zukunftsvorstellungen frage, so möchte ich auch meine vorstellen: Ein Netzwerk, in dem sich viele verschiedene Vorstellungen, wie eine Gesellschaft zu organisieren sei, zusammenfinden können, aufbauend auf dem minimalen Konsens, die Freiheit des anderen zu achten, und sein Wort zu halten. http://ilja-schmelzer.de/network-de

    Wenn die Regeln verschiedener Gruppen zu inkompatibel sind, so dass man nicht zusammenleben kann, muss man sich halt räumlich trennen, kann aber trotzdem miteinander Handel treiben.

    • “Ein Netzwerk, in dem sich viele verschiedene Vorstellungen, wie eine Gesellschaft zu organisieren sei, zusammenfinden können, aufbauend auf dem minimalen Konsens, die Freiheit des anderen zu achten, und sein Wort zu halten.” …sehr gut beschrieben. Vielleicht ist dieser Artikel noch ganz interessant in dem Zusammenhang: http://the-babyshambler.com/2011/10/09/direkte-demokratie/

      “Neuen Menschen züchten” nicht..aber wir alle werden letztendlich auch etwas an uns ändern müssen…den das bestehende System ist letztendlich auch nur die aufsummierte Gesamtheit all unserer Handlungen…Diese Verhaltensänderungen muss aber natürlich jeder für sich entscheiden und das ganze läuft auch eher fließend ab und nicht aprubt…deshalb ja die dezentrale Kommunikation untereinander.

  21. Es tut fast schon weh das unser Anliegen so missverstanden werden kann…
    Ich selbst bin ich schon ein paar Tage länger dabei…
    Obwohl dies eigentlich auch egal ist denn es zählt jeder nicht der einzelne..wie am letzten Sonntag richtig erkannt wurde wir alle sind der (Achtung böses Wort) Führer, nicht einer.
    Von daher haben und sind wir weder Partei noch Organisation…jeder für sich und doch gemeinsam…
    Also bitte lasst euch nicht durch Unwahrheiten abschrecken…geht und seht selbst…wir wollen doch alle das Eine…eine gerechtere Welt FÜR ALLE

  22. @Solveigh Calderin

    Finde Deine Argumentation ja sehr interessant. :-) Aber Du unterstellst in meinen Augen auch recht viel, was nicht so sein muss bzw. nicht erwiesen ist.

    Von Wettbewerb nach “kapitalistischen Muster” (wasndas?) hab ich nichts geschrieben. Wettbewerb wird es immer geben, eben weil nach Meinung einer maßgeblichen (was auch immer das heißt) Gruppe das oder der eine besser ist als das oder der andere. Das Ergebnis von Wettbewerb ist Fortschritt. Wäre das nicht so, würden wir noch immer auf die Erfindung des Rades warten.

    Aus ähnlichen Gründen entsteht Macht. Macht muss nicht installiert werden, sie entsteht einfach. In primitiven Strukturen ist der Mächtigste der, der die meisten Leuten verprügeln kann. Da sich niemand gerne verprügeln lässt, zahlt er lieber (Tribut, Schutzgeld, Weibchen usw.). Und so kommt zur körperlichen Überlegenheit auch noch die “finanzielle” und später vergrößert sich auch noch die Familie. Wir meinen zwar alle, wie wären irgendwie “zivilisiert”, aber eigentlich haben sich nur die Beherrschungsinstrumente verfeinert. Ansonsten hat sich seit der Steinzeit nicht viel geändert.

    • @Bruder Johannes

      Deine Behauptung, wie “Macht” entsteht, stimmt einfach nicht! Die Naturvölker lebten nach einem ganz anderen Prinzip: Dem Prinzip der Kooperation statt des gegeneinander und dem Prinzip der Gewaltlosigkeit, dazu waren ihre Strukturen immer Basisdemokratisch.

      Dass diese Behauptung kaum noch in Wirklichkeit zu beobachten ist, haben wir dem räuberischen, die Wurzeln, Sprache, Kultur, Traditionen und damit die Identität der Völker vernichtenden Kapitalismus zu verdanken.

      Dennoch gibt es immer noch einige wenige Naturvölker, die uns auch heute noch zeigen, dass Deine Behauptung einfach nicht stimmt, sondern als Propaganda in die Welt gesetzt wurde, um jede Alternative im Keim zu ersticken und das Gerücht in die Welt zu setzen “der Mensch ist nun mal so” – ist er nämlich gar nicht!

      Die paar Naturvölker, die es noch gibt, zeigen uns, wie gesagt, ein anderes Bild: Die notwendige Arbeitszeit, um die Grundbedürfnisse der Menschen zu befriedigen: Obdach, Kleidung, Nahrung liegt bei diesen Völkern, die mit primitivsten Arbeitsgeräten auskommen bei 4 Stunden pro Tag. Der Rest des Tages ist “Freizeit” – So frage ich denn, warum in einer technisch so hoch entwickelten Gesellschaft wie unserer, die Menschen per Gesetz 8 Stunden und oft wesentlich länger arbeiten müssen und wenn ihnen die Teilhabe an der Gesellschaft durch Arbeitslosigkeit verwehrt wurde auch noch kriminalisiert werden? Das sit ein Problem, dass dem Kapitalismus inne wohnt, nicht dem Menschen! Aufkommende Aggression in dieser Gemeinschaft, von der ich hier spreche wird VOR deren Ausbruch durch Rituale der Beschwichtigung und Geschenke untereinander begegnet. Das gilt übrigens schon, wenn jemand über Gewalt gegenüber einem Mitglied der Gemeinschaft geträumt hat. Er entschuldigt sich bei dem anderen dafür.

      Was Deinen Wettbewerb, den es “immer” gab betrifft, und der uns ja angeblich erst den “Fortschritt” gebracht hat, so bin ich der Meinung, dass wirklich gute Ideen erst dann und dort entstehen, wenn diese Ideenfinder zusammen- statt eifersüchtig gegeneinander arbeiten. Wieviel menschliches intellektuelles Potential liegt durch dieses Konkurrenzdenken brach! Wozu wären wir Menschen in der Lage, wenn alle diese Wissenschaftler ihre Ideen und Vorstellungen gemeinsam und zusammen verwirklichen, statt gegenseitig eifersüchtig darauf achten, dass die Idee ja auch nur ihm allein Nutzen bringt!!

      Wettbewerb nach “kapitalistischem Muster” ist gemeint, dass es sich hier nicht um Wettbewerb (miteinander austauschen, einander befruchten und gemeinsam zu besseren Lösungen kommen) gemeint ist, sondern dass es sich hierbei um die kapitalistische “Friss oder Stirb” “Du oder ich” Konkurrenz handelt.

      In meinen Augen ist das kapitalistische System kontraproduktiv geworden. Es wirkt der menschlichen, selbst der wissenschaftlichen und kulturellen Entwicklung entgegen. Den Menschen wurde die Möglichkeit geraubt, ihr volles Potential zu entfalten.

      Im kapitalistischen System kann nur überleben, wer möglichst grausaum und gewissenlos ist. Das ist menschenunwürdig und menschenfeindlich. Das ist aber das Prinzip des Kapitalismus – und seit der Sklavenhaltergesellschaft jeder Gesellschaftsform, die wir bisher hatten – da gebe ich Dir recht.

      Aber wie schon oben gesagt: Ich finde, dass es an der Zeit ist, nun mal endlich dauernd den selben Quatsch zu wiederholen.

  23. @ Solveigh Calderin

    Du berichtest da über eine interessante Theorie, die stimmen könnte. Ich möchte allerdings nicht auf dem Niveau eines Naturvolkes leben. Die meisten unserer Mitmenschen wohl auch nicht.

    Tatsache ist, dass es vor 4 oder 5000 Jahren keinen “Kapitalismus” gegeben hat und dennoch haben sich Herrschaftsformen entwickelt, die bis in die heutige Zeit andauern. Wenn etwas so lange existiert, dann muss man es wohl oder übel als erfolgreich bezeichnen.

    Aber Du hast schon sehr richtig angemerkt, dass hinter unserem Meinungsaustausch die Frage steht, wie der Mensch eigentlich ist. Was ist sein Wesen, was macht ihn aus? Ich denke, die Frage ist sehr schwer mit Gewissheit zu beantworten.

    Aber interessant ist er, der Mensch, oder? :-)

    • “Tatsache ist, dass es vor 4 oder 5000 Jahren keinen „Kapitalismus“ gegeben hat und dennoch haben sich Herrschaftsformen entwickelt, die bis in die heutige Zeit andauern. Wenn etwas so lange existiert, dann muss man es wohl oder übel als erfolgreich bezeichnen.”

      Ich mußte bei diesem Abschnitt an eine Meldung denken, von der ich heute morgen im Blog von Martin Bartonitz las (Quelle: http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/10/19/warum-wir-es-so-schwer-haben-neue-wege-zu-beschreiten-weltbilder).

      Es handelte sich dabei um eine Meldung aus der Forschung, der zufolge die Menschen einen Hang zu grundlosem Optimismus hätten – und die Probanden “bei einer neuerlichen Befragung zu einem späteren Zeitpunkt trotz Kenntnis der Fakten ihre zu positiven Erwartungen nicht änderten.”

      Daraus läßt sich leicht die betrübende Ansicht ableiten: Die Totschlag-Realisten haben Recht, und Hoffnung ist etwas niedliches. Aber dann fragte ich mich, ob ich das nicht auch anders sehen kann. Und kam zum Schluß:

      “Aber es lässt sich ebenso gut daraus die Schlußfolgerung ableiten, doch dann eine Welt zu schaffen, in der Optimismus keine ‘Gefahr’ mehr für den einzelnen Menschen darstellt, sondern valorisiert und (durch das Schaffen eines vertrauensvolleren gesellschaftlichen Klimas) gefördert wird, also als Triebfeder der gemeinsamen Entwicklung/Zusammenlebens wirken kann.

      Die, wie Du treffend schreibst, „krankmachende Konkurrenz- und Ellenbogengesellschaft“ (Anmerkung: Zitat aus Martins Post) lebt schließlich vom Pessimismus, der Angst und dem Misstrauen der Einzelnen. Unser Selbsterhaltungstrieb als Einzelne wird dadurch ständig kanalisiert und mündet notgedrungenerweise in einen Kampf aller gegen alle – das war bereits so lange ein Selbstläufer, daß es zur Binsenweisheit ‘Der Mensch ist schlecht’ verkrusten konnte.

      Zum Glück begreifen immer mehr den Optimismus, das Vertrauen ineinander, den uns allen gemeinsamen Selbsterhaltungstrieb als einendes Moment, als Bausteine einer menschlicheren Welt. (…) Sie denken es also mal anders.”

      Wir können immer voneinander lernen, dazu müssen wir aber nicht zwingend bis ins Detail alle alles gleich machen. Wir können von dem Gemeinschaftsgefühl, das sich diese Völker bewahrt haben, auch ausgehen, und es auf unsere jeweilige Lebenssituation übertragen. Die technischen Errungenschaften können wir nutzen, damit uns das besser gelingt.

      Man stelle sich vor, sämtliche Forschung ist nicht mehr zwecks Finanzierung, Lizenzkram oder Entwicklungsvorsprung an Geheimniskrämerei gebunden, sondern alle Daten, Experimente, Befunde, Rezepte oder Baupläne werden zeitnah open source im Netz veröffentlicht und die gesamte Menschheit hat darauf jederzeit Zugriff, kann die Entwicklung verfolgen, es wird fortlaufend das gesamte Potential aller genutzt. Wir könnten schneller und effektiver sein, und das als Gesamtheit.

      Man stelle sich vor, alle Wirtschaftszweige, die in einer konkurrenzlosen (bzw. auf Kooperation und menschlichen Fortschritt orientierten) Gesellschaft ihren Sinn verlieren, würden verfallen. Man könnte Angst bekommen: So viele neue Arbeitslose. Oder man könnte es nutzen: die notwendige Arbeit besser aufteilen (da mehr Menschen sich diese Aufgaben teilen können), dadurch für alle mehr Raum für eigene/kollektive Projekte (also auch: persönliche und kollektive Weiterentwicklung > Fortschritt) oder einfach mehr Zeit für zwischenmenschliche, tolle Momente (mit Familie, oder Freunden, oder Nachbarschaft, oder neuen Bekannten vom anderen Ende des Globus) schaffen. Und die Technik weltweit gemeinsam weiter entwickeln, um die Menschen freier zu machen und ihre Bedürfnisse besser abdecken zu können. Das ist aber erst möglich, wenn niemand mehr um die eigene Existenz bangen muß, und seine Mitmenschen als Helfer in der Not, nicht als Konkurrenten und Feinde ansieht – sich also Vertrauen erlauben kann, das in unserer heutigen Gesellschaft immer nur als Nachteil, oder als offene Tür für die bösen Absichten anderer, hingestellt wird.

      Denn: Wie ist der Mensch? Und wieso geben so viele von uns auf diese Frage eine andere Antwort als auf die folgende: Und wie bist DU?

      Selbst die Selbstkritischsten würden sich kaum als Scheusal bezeichnen. Doch sie sehen die Mehrheit der ‘anderen’ (zumindest potentiell, denn: man kann ja niemand mehr trauen) als Scheusale an.

      Wie kann man also die Dinge verändern, damit der Mensch kein Scheusal mehr sein braucht und auch die anderen nicht mehr als Scheusale fürchten muß? Wie befreit man ihn, wie gibt man ihm die Möglichkeit, sein Bestes zu entfalten? Indem man versucht, sich/ihn aus den Fäden zu befreien, die Menschlichkeit in unserer Gesellschaft zu einem ‘selbstlosen’ Akt machen – also wie das Wort sagt: einem Akt, bei dem man sich selbst aufgibt. Niemand will sich selbst aufgeben. Das ist normal und nur legitim. Also gilt es, Verhältnisse zu schaffen, in denen Menschlichkeit die eigene Existenz bereichert, und nicht mehr als Wagnis oder Blauäugigkeit erscheint.

      Tut mir leid, wurde etwas lang, aber hoffentlich als Beitrag zur Diskussion konstruktiv. An sich in etwa das (oder ähnlich, soll keine Vereinnahmung sein), was Solveigh Calderin bereits ausführte, nochmal anders formuliert – spricht mir so oft aus dem Herzen!!

      Zum Thema Naturvölker bzw. Gemeinschafter die auf Kooperation und Miteinander aufbauen möchte ich ausserdem noch auf folgende Seite hinweisen:
      http://matriarchat.info/neu-hier.html

      Liebe Grüße, Jeff

    • Ja, natürlich ist der Mensch ein interessantes Wesen, Bruder Johannes. Das bist ja schließlich Du und ich und jeder, der hier vor einem PC oder Laptop sitzt und sich mit uns austauscht und jeder der sieben Milliarden Menschen, die sich gerade auf unserer wunderschönen Erde aufhalten! :-)

      Was die Herrschaftsformen angeht, die sich aus den Naturvölkern heraus entwickelt, auch darüber wäre zu forschen, warum das wann wo geschehen ist. Ich denke, da stehen unsere Historiker vor einem großen Rätsel. Denn wenn das “naturgegeben” wäre, dann müssten sich diese “Herrschaftsformen” ja überall herausgebildet haben. Das ist jedoch nicht geschehen.

      Eine nächste Frage, die es zu klären gäbe, ist die, ob der “technische Fortschritt”, der eine Arbeitsteilung, also auch Arbeitsorganisation erfoderte, zwangsläufig zu solcher Herrschaftsform führen musste.

      Die nächste Frage ist dann, ob sich diese – für eine gewisse Zeit notwendige – Herrschaftsform heute, in einer Zeit des Überflusses (wie ich schon mal schrieb, die Güter werden aus Profitgründen künstlich knapp gehalten, ja geradezu vernichtet!) nicht einfach überlebt hat und überflüssig geworden ist!

      Das ist meiner Meinung nach die große Herausforderung, vor der wir stehen und das ist vollkommenes Neuland. Das hat noch niemand probiert. Heißt das aber, dass so etwas nicht möglich sei?

      Der Mensch – laut meinem Video oben und laut den Neurowissenschaftlern – ist von Natur aus empathisch. Also sollten wir endlich beginnen, wieder unsere Natur zu leben! Es ist Zeit, finde ich.

      • [ein Beitrag dazu meinerseits wartet auf Freischaltung - die Bemerkung als Erklärung falls kein technischer Fehler und Freischaltung zwischenzeitlich erfolgt]

        Einen Link daraus möchte ich aber an dieser Stelle gerne beitragen:
        http://matriarchat.info/neu-hier.html
        (Matriarchat nicht im Sinn von ‘Herrschaft der Frau’, sondern als Bezeichnung für Gemeinschaften, die ohne Herrschaftsstrukturen und institutionalisierte Hierarchien auskommen)

        Interessant (derzeit aber lediglich auf Englisch erhältlich) ist in dem Zusammenhang eventuell auch folgendes Buch des amerikanischen Anthropologen David Graeber:
        Toward an Anthropological Theory of Value: The False Coin of Our Own Dreams (Palgrave, 2001)

        “This volume is a synthesis of economic, political, and cultural theories of value. David Graeber re-examines a century of anthropological thought about value and exchange, in large measure to find a way out of ongoing quandaries in current social theory, which have become critical at the present moment of ideological collapse in the face of Neoliberalism. Rooted in an engaged, dynamic realism, Graeber argues that projects of cultural comparison are in a sense necessarily revolutionary projects. He attempts to synthesize the best insights of Karl Marx and Marcel Mauss, arguing that these figures represent two extreme, but ultimately complementary, possibilities in the shape such a project might take. Graeber breathes new life into the classic anthropological texts on exchange, value, and economy. He rethinks the cases of Iroquois wampum, Pacific kula exchanges, and the Kwakiutl potlatch within the flow of world historical processes, and recasts value as a model of human meaning- making, which far exceeds rationalist/reductive economist paradigms.”

        Auf dieses Werk bezieht sich auch folgende (deutsch-sprachige) Arbeit (PDF):
        http://www.jsbielicki.com/David-Graeber.pdf

      • “[ein Beitrag dazu meinerseits wartet auf Freischaltung - die Bemerkung als Erklärung falls kein technischer Fehler und Freischaltung zwischenzeitlich erfolgt]” war nur weil mehr als ein link, dann ist auf Halde…muss ich mal umstellen…soll halt Gespamme verhindern…

  24. @Jeff/Masereel

    Danke für Dein ausführliches Statement. Du hast recht, das wäre alles sehr schön. Nur dann sollten wir die Geschichte umschreiben und z. B. Typen wie Oliver Cromwell und die meisten europäischen Fürsten und Könige nicht verehren sondern als das bezeichnen, was sie sind: Scheusale eben. Wir sollten Kriege und Schlachten nicht als Zeitwende sondern als menschliche Katastrophe betrachten. Wir müssten Bewusstsein umprogrammieren, welches sich über hunderte von Jahren entwickelt hat. Und das dürfte nicht nur in intellektuellen Zirkeln und auf dem literarischen Parkett erfolgen sondern müsste laut – sehr laut – gefordert werden.

    (Eigentlich müssten wir z. B. unter empathischer Anteilnahme der Bevölkerung die Kronjuwelen im Tower von London einschmelzen.)

    Aber wir lassen uns ja immer noch die Geschichten von Schlachten, Kriegen und Siegen erzählen, und wier merken überhaupt nicht, dass wir dadurch kaum etwas wissen über das tägliche Leben von Menschen vergangener Epochen. Darüber müsste man aber viel mehr wissen, um ein Gemeinschafts- und Mitgefühl entwickeln zu können.

    Und ist es in der Gegenwart anders? Die Hauptaufmerksamkeit gilt den Aufständen und Kriegen. Über das tägliche Leben der Menschen in Kurdistan oder Lybien wird – wenn überhaupt – nur nach 22.30 Uhr berichtet.

    @ Solveigh Calderin

    Natürlich ist der Mensch auch empathisch. Der medizinische Schockzustand bei Unfällen ist dafür m. E. der wissenschaftliche Beweis. Aber der Mensch ist eben auch gierig, egoistisch, machtversessen, rechthaberisch – eben sehr facettenreich und individuell. Jetzt wird’s kompliziert: Die Ergebnisse der Kombinationen der menschlichen Eigenschaften können sehr schrecklich sein, aber auch sehr schön. Wie wir diese Ergebnisse einschätzen und erfahren hängt von uns selbst, dem Umfeld, dem Geschehenszusammenhang, der Sozialisierung und von zahllosen anderen Faktoren ab. Deine Fragen sind gut und wichtig. Ich glaube aber, dass wir Menschen uns überschätzen, wenn wir schlüssige Antworten erwarten.

  25. Es gibt ein sehr schönes Video, das aufzeigt, warum es gut ist, wenn Idee sich wie in den Asmbleas weiterentwickeln können und nicht wie im Falle von Patenten oder sonstigen Schutzrechten eingesperrt bleiben: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=P_QvbRwqDlI
    Und ich bin mir sicher, dass sich der gerade stattfindende kulturelle Wandel des Teilens von Ideen nicht mehr zu stoppen ist. Ideen werden aufgegriffen, von allen Seiten beleuchtet, hinterfragt, schlechte Teil verworfen und die guten weiterentwickelt. Nur so können wir zu Lösungen für uns alle kommen.
    Dies setzt ein offenes Denken voraus und nicht die Verteidigung seiner eigenen Ideologie.
    Wir Menschen wollen deshalb auch nicht mehr Parteien und Organisationen sehen, die sich der Verteidigung ihrer Ideologie verschrieben haben. Das grenzt nur wieder aus. Runter mit den Grenzen. Jeder möge sich frei und ungebunden in den Prozess der Bewegung einbringen, im Vertrauen darauf, dass es so mit großen Schritten in die Zukunft geht, die wir uns schon immer gewünscht haben.

  26. Ich habe einen weiteren wichtigen Mosaikstein für das Erkennen unseres fehlerhaften Geldsystems gefunden und hier veröffentlicht: Was unsere Finanzkrise mit dem Untergang des römischen Imperiums zu tun hat …

  27. Ich gehöre zu euch, zu euch den 99%!!
    Eines Tages wird jeder eure/unsere Botschaft verstehen und sich dann fragen, warum die Welt sich bis jetzt hat verknechten lassen.

    Ich bin:
    - gegen Kapitalismus
    - gegen Geld
    - gewaltfrei
    - friedlich
    - bereit für etwas anderes!

    Vielen Dank

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