Mein Name ist Mensch

Reflexionen über Individuum und Kollektiv (Teil 2)

Welche Erwartungen haben wir an die “Bewegungen”, mit welchen Schwierigkeiten sehen wir uns konfrontiert? Nachdem in Teil 1 dieses Beitrags diese Fragen vor allem aus einer kollektivistischen Sicht ergründete, beschäftigt sich Teil 2 mit der Frage was diese Entwicklungen für jeden Einzelnen bedeuten können. Gedankengänge von Jeff Hemmer

U R I M U – You Are I Am You

Ein, hoffentlich nicht repräsentatives, Beispiel aus den USA macht deutlich, wie wichtig die Entwicklung eines klaren Bewusstseins und klarer Zielsetzungen am Horizont sind, wenn der derzeitige Antrieb nicht einfach wieder verpuffen und in Selbsttäuschung enden soll. Ich schreibe das nicht aus einer herablassenden Perspektive heraus – ich schließe mich hier selbst mit Nachdruck ein. Ich versuche möglichst wachsam nachzudenken auch wenn dies nicht vor Fehlern schützt.

Wichtig scheint mir vor allem der folgende Gedanke: Es hängt alles vom einzelnen – sprich von jedem einzelnen – Menschen ab. Darin liegt meiner Meinung nach vielleicht die größte Herausforderung, aber auch darin, diesen Umstand nicht aufgrund panischer Überforderung als Gefahr aufzufassen.

Es ist ohne Frage wichtig, als Gemeinschaft Ziele formulieren oder eine Art Kompass entwickeln zu können. Die erste Reaktion auf die Proteste ist allzu oft: “Wie lautet das Programm?” Aber ist das nicht eine Frage, die erst einmal jeder Mensch für sich alleine klären muss? Alsbald erwächst ein ganzer Wald neuer Fragen:

Wo verortet man jeweils persönlich und kollektiv die „Ursachen“ der wahrgenommenen Missstände, wie benennt man sie und welche Form (etwa personell/strukturell/…) gibt man ihnen? Was erwartet man eigentlich selbst von diesen Protesten? Will man einen Bruch, einen fließenden Übergang, eine Reform, vielleicht doch nur einen Impuls – also, wie steht man zum aktuellen System, findet man es lediglich oder überhaupt „mangelhaft“ oder will man es komplett überwinden?

Wem misstraut man, und warum? Sucht man im Protest lediglich eine Verbesserung der eigenen Lebensumstände, oder orientiert man sein Handeln am Interesse aller? Wann hat das Hinterfragen ein Ende? Bleiben wir an einem Punkt stehen, begnügen uns mit einem halboffenen Weltbild, oder begreifen wir das Hinterfragen als permanenten Prozess?

Ein Weg sollte sich aus einer bewusst und konsequent eingenommenen Haltung eigentlich wie von selbst ergeben. Wenn wir uns gegen menschliches Handeln stellen, das Mensch, Tier und Umwelt zerstört, müssten wir eigentlich automatisch für alles eintreten, das Mensch, Tier und Umwelt befreit und schützt. Wir müssten uns bei Entscheidungen „lediglich“ immer wieder ehrlich und ergebnisoffen dieser Frage stellen – wir scheitern jedoch gerade daran, dass wir genau dies als Allgemeinheit nicht ernsthaft tun und dann ständig mit den Folgen dieser Inkonsequenz konfrontiert sind.

Obwohl im Zusammenhang mit den Demokratie-Bewegungen oft das Bild vom Bruch mit alten Systemen und Ideologien bemüht wird, ist es offensichtlich schwer, deren Denkrahmen vollständig zu entrinnen. Die Schwierigkeit gründet vielleicht, wenigstens teilweise, in dem Dilemma: Folgt man konsequent der Stimme seines Gewissens und löst sich dabei einen Moment von jeglichen „Realitäten“ – dann steht plötzlich vieles in Zusammenhang zueinander und scheint überwältigend und eventuell entmutigend. Denkt man konsequent innerhalb der Logik des Bestehenden und stößt ständig an Grenzen, schränkt man sich vorauseilend ein.

Wie weit muss man auf das Tagesgeschehen noch Bezug nehmen, darauf reagieren, oder lässt man derlei Ereignisse komplett außen vor und konzentriert sich auf den  Aufbau von etwas Neuem? Ist das blauäugig, oder vielleicht notwendig – kollektiv?

In Bezug auf die Situation in Deutschland kann dies beispielsweise bedeuten: Wähle ich eine neue Partei oder finden meine Anliegen ihren Ausdruck erst in der außerparlamentarischen Aktion? Oder versuche ich vielleicht doch, irgendwie beide Wege zu kombinieren – und was ergibt sich daraus? Kann das funktionieren, oder ist dies ein Holzweg? Worauf konzentriere ich meine Energie und mein Vertrauen?

Unsere politische Realität – die abstrakte, die uns den Rahmen unseres Lebens vorgibt (und sich während jeder Legislaturperiode verändert), die Vorstellungen, die wir bilden, die Gedanken nach denen wir die Welt für uns deuten – sie existiert real. Gleichzeitig ist sie doch nur erdacht – wenn wir sie umdenken, leben wir anders. Denn wir leben immer so, wie wir es uns denken.

Ob wir uns von diesem Umstand einengen lassen oder ihn bewusst zum Antrieb unserer Hoffnungen erheben, daraus leitet sich unser eigener Handlungsspielraum ab. Das bedeutet letztlich, dass jeder einzelne Mensch seine Haltung, sein Denken und seine Interessen klar ergründen und hinterfragen muss. Wieso denke ich so oder so? An welchem Punkt löse ich mich aus starren Denkmustern, nur um in andere zu verfallen?

Versuche ich, die Perspektive anderer zu verstehen – damit ich mich überhaupt erst konstruktiv mit ihnen austauschen kann, vor allem dann wenn deren Standpunkt mich irritiert – oder bin ich derart von meinen eigenen Denkschlössern überzeugt, dass ich auf gewisse andere Menschen verzichten kann?

Verneine ich mit einer derart selbstgefälligen Haltung nicht letztlich auch mich selbst, meinen eigenen Anspruch auf Respekt, Freiheit und Leben? Indem ich von vorneherein wieder Grenzen einbaue, und nicht alle Menschen gleich behandle?

Wenn man sich auf diese Weise selbst beobachtet, wird man sich zwangsläufig nicht immer gefallen. Vielleicht erkennt man sein eigenes Handeln als hässlich und unmenschlich. Das moderne Ego ist nicht unbedingt darauf konditioniert, mit einer solchen Einsicht klar zu kommen und daran zu wachsen. Oft macht es Menschen nur aggressiver, sie fühlen sich von äußeren Zwängen getrieben, unschuldig und ungerecht behandelt, und legitimieren damit für sich ihre Ellbogen. Am Ende brauchen dann alle Ellbogen und das kollektive Rundum-Hacken wird zum System.

Direkte Demokratie allein wird das auch nicht ändern. Kein System kann das ändern. Das bedeutet nicht, dass die Proteste eine Pause einlegen sollten. Aber wer nur auf die Straße geht um gegen die Finanzwelt und ein paar Politiker anschreit, und damit dann zufrieden ist, wird sich früher oder später in der ewig alten Schlammkuhle wieder finden. Eine solche Einstellung zur Welt birgt in sich bereits den Samen für die nächste Klassengesellschaft, repressive Strukturen und Schubladendenken, verbohrte Grabenkämpfe um Nebenschauplätze und starre Hierarchien die rein sich selbst genügen.

Ein alter Gedanke, der für manche vielleicht auch eine Floskel ist, die nur noch ein müdes Lächeln hervorrufen mag, lautet: „dass letztlich jeder Mensch versuchen muss, sich in den Anderen zu erkennen und sie zu achten wie sich selbst.“

Letztendlich steht und fällt jede emanzipatorische Bewegung mit dem unbedingten Ernst, den sie diesem Gedanken entgegen bringt, oder abspricht. Sobald Zweck und Mittel sich nicht mehr aus dem gleichen Bewusstsein speisen, klaffen sie auseinander. Schlimmer, das Vertrauen in die jederzeitige Möglichkeit eines Wandels muss dabei langfristig auf der Strecke bleiben bis es heißt: “Es wurde doch versucht, und hat nicht geklappt. Was wollt ihr Deppen denn noch?”

Sein oder nicht sein, Wind oder Treibgut, das ist die Frage?

Die Antwort auf die Frage nach einer Road-Map bleibe ich schuldig. Das ist nur logisch. Es liegt nicht an mir (oder an Dir, an ihr oder ihm), sie im Alleingang zu finden – wenn diese Suche nicht gemeinsam getragen wird, wird sie ins Leere laufen. Wir müssen mehr auf einander hören, und dürfen das nicht länger mit einander nachlaufen verwechseln.

Denn: Je mehr diese „Bewegungen“ anwachsen, um so öfter wird es Momente geben, die die Weichen stellen für die nächsten Schritte, was jedoch ebenso auf den jetzigen politischen und zwischenmenschlichen Alltag zutrifft. Es wird manchmal keine Zeit bleiben, über Entscheidungen lange nachzudenken. Umso wichtiger ist es in solchen Momenten, dass das Kollektiv, egal wo und wie groß, diese Entscheidungen sehr bewusst und aus einem weiteren Verständnis ableitet, und gegen Kurzschlussreaktionen gefeit ist. Denn hier liegt die eigentliche Achillesferse:

Momente, in denen akute Situationen eintreten, die die Menschen plötzlich wieder vor sich hertreiben. Dies kann der Moment sein, in dem eine Demonstration gewaltsam aufgelöst wird und sich der Wunsch nach Gegenwehr aufdrängt, obwohl man doch friedlich bleiben wollte. Oder der Moment, in dem es vielleicht unbedingt wichtig erscheint, dieses oder jenes zu reglementieren, und im Zeitdruck die Frage nach dem „wie“ vielleicht das „ob“ ablöst, ohne die möglichen Folgen zu beachten. Oder, bereits sehr weit gedacht, der Punkt, an dem sich die Frage nach dem „angebrachten“ Umgang mit „Schuldigen“ stellt (oder die Frage, ob/wer „Schuldige/r“ ist, wo man Grenzen zieht, etc.), oder der Verteidigung gegen Waffengewalt.

Kämpfen wir mit unseren eigenen Mitteln – und wäre das etwa: Menschlichkeit, die Gewaltlosigkeit in letzter Konsequenz verlangt, da wir eine Gesellschaft ohne Gewalt erleben möchten? – oder lassen wir uns ablenken und in fremden Schuhen in die Irre drängen?

Eine (oder mehrere) Road Maps können immer nur die Richtung vorgeben, aber die Hindernisse unterwegs sind nicht von vornherein ersichtlich oder immer strikt nach Plan zu bewältigen.

Solange man sich dabei rein als Opfer betrachtet, bleibt man auf einem Auge blind. Man kann sozioökonomisch ein Opfer des bestehenden Systems sein und trotzdem zwischenmenschlich, im rein privaten Bereich, genau denselben Mist reproduzieren, vielleicht ohne dies überhaupt zu merken. Das ist ein innerer Kampf, der nie enden darf, solange man lebt. Ein Lernprozess, der wohl auch eine gewisse Demut verlangt.

Insofern bedeutet für mich „revolutionär“ oder „radikal“ vielleicht schlicht, sich seiner eigenen Position immer bewusster zu werden, und sich immer wieder aufs Neue zu reflektieren, sobald die eigene Nasenspitze sich ins Sichtfeld tränkt. Dies macht diese Begriffe wiederum überflüssig – sie werden leer und austauschbar, sie können sich als Worthülsen keiner Deutung verwehren und verleiten somit eher noch zu Selbstgefälligkeit und spalterischen Profilneurosen, zur erneuten Elitenbildung.

Vielleicht könnte man sagen, es ist weniger wichtig, ob/was/dass man „etwas mitbringt“, als dass man möglichst viel erstmal „zuhause lässt“ und versucht, zumindest in Gedanken eine Art Tabula Rasa herzustellen.

Das Selbstbild, das sich diese Gesellschaft die letzten, wenigstens 30 Jahre, gebastelt hatte, bricht derzeit zusammen, wie jedes Selbstbild zuvor. Möchte man die Dinge so sehen, folgt daraus der Schluss: Wir müssen lernen, Bilder zu hinterfragen – vor allem dann wenn sie uns instinktiv gefallen – wir dürfen auch uns selbst nicht mehr zu Bildern machen oder machen lassen. Bilder werden aufgehängt oder an Wände genagelt, und das, was sie bestenfalls bewegen, zieht immer an ihnen vorbei.

Dieses Schicksal wünsche ich uns nicht; und was meine persönliche Reaktion auf unsere Zeiten betrifft, ist dies wohl meine größte Angst. Wir stehen vor einer Riesen-Herausforderung – aber sie ist wunderschön, und ich denke, wir sollten sie wagen, ihr vertrauen und helfen. Als Menschen sollten wir uns diesen Aufwand wert sein.

Anmerkungen des Autors:

- Dieser Beitrag entstand unter dem Eindruck einer Kommentardiskussion, die ich hiermit noch einmal ausdrücklich empfehlen möchte.

-Ich schreibe oft aus einer Wir-Perspektive heraus, denn wir sitzen alle im gleichen Boot; der Text bleibt meine persönliche Meinung, ich möchte mir nicht anmaßen, damit andere zu repräsentieren oder ‘richtig(er)’ zu liegen als diese mit ihren Ansichten.

15 Responses to “Mein Name ist Mensch”

  1. you’re right but try to translate this page into EN, so that everyone get the message, its nt possible coz of many terms what exists in DE, we all have also to think about communication worldwide.

    Next Generations will see if we was clever enough to reach the BRAIN HOMO SAPIENS or not.

    In mathematic-terms: 1+1+1=3 simple

    In earth-terms: Air+Water+Resources = LIFE

    Or can you eat money?

  2. you’re right but try to translate this page into EN, so that everyone get the message, its nt possible coz of many terms what exists in DE, we all have also to think about communication worldwide.

    Next Generations will see if we was clever enough to reach the BRAIN HOMO SAPIENS or not.

    In mathematic-terms: 1+1+1=3 simple

    In earth-terms: Air+Water+Resources = LIFE

    Or can you eat money?

  3. Vielen Dank für diesen wichtigen Artikel, der das ständige Hinterfragen in den Vordergrund stellt. Noch wichtiger ist der Hinweis, dass wir nicht nur auf der Straße rufen, was wir wollen, um dann auf das Echo des Tuns durch unsere “Macher” warten, sonder sofort daran gehen, das umzusetzen, was sofort und direkt durch jeden Einzelnen möglich ist:
    Wo kaufe ich? Besser beim kleinen, unabhängigen Lädchen um die Ecke als in einer Kette
    Was kaufe ich? Ist die Ware fair gehandelt? Ohne Kinderarbeit? Geringe Umweltbelastung? Ohne Tierquälerei?
    Wo arbeite ich? Schließe ich mich besser in einer Genossenschaft mit anderen zusammen?
    Wo liegt mein Geld, meine Zusatzaltervorsorge? Welche Projekte werden damit betrieben? Lasse ich meine Kröten lieber zu einer ethischen Bank wandern?

    “Wir müssten uns bei Entscheidungen „lediglich“ immer wieder ehrlich und ergebnisoffen dieser Frage stellen – wir scheitern jedoch gerade daran, dass wir genau dies als Allgemeinheit nicht ernsthaft tun und dann ständig mit den Folgen dieser Inkonsequenz konfrontiert sind.”

    Das ist wirklich schwierig ist, aus den eingetretenen Pfaden herauszutreten, habe ich in dem folgenden Artikel behandelt: http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/10/19/warum-wir-es-so-schwer-haben-neue-wege-zu-beschreiten-weltbilder/

    • Ich gebe Ihnen ja prinzipiell recht. Aber reicht es Fair-Trade-Produkte zu kaufen, um die momentanen menschen(würde)verachtenden Zuständen zu ändern. Oder ist das nicht letztendlich nur Balsam fürs Gewissen.

      Kann ein Hartz-IV-Empfänger seine Lebensmittel im Reformhaus und Dritte-Welt-Laden kaufen?

      Es braucht mehr, als ein moralisch einwandfreien Verbraucher! Diese Denkweise ist mir zu sehr diesem System verhaftet. Letztendlich läuft Ihre Argumentation doch darauf hinaus, dass der MARKT es regelt.

      Es reicht nicht, Eier aus Bodenhaltung zu essen (entschuldigen Sie, ich verkürze sehr) um was zu verändern!

      Wir müssen auf die Straße!

      • Ich gebe zu, dass es für eine bessere Welt ingesamt viel mehr geändert werden muss. Mit der Art des Konsuimierens können wir aber alle sofort beginnen ohne darauf zu warten, dass Demos stattfinden. Und wenn wir uns so verhalten, spürt das der “Markt” sofort und wird reagieren.
        Und ja, es ist schlimm, wenn Menschen in Hartz IV, weil sie so wenig Geld haben, ausgerechnet das Billigzeug kaufen müssen und damit das ungewollt Schlechte weiter aufrechterhalten müssen.
        Ich habe durchaus konkrete Punkte, die schnell umsetzbar wären:
        1. Volksbegehren auf Bundesebene stattfinden lassen, denn diese sind in Artikel 20 des Grundgesetzes implizit enthalten, werden nur von unsere gewählten nicht angegangen, weil sonst ihr Machtapparat ins Wanken käme.
        2. Umstellung der Geldschöpfung: weg von den privaten Banken in die Hände der Gemeinschaft, siehe die Initiative Monetative
        3. Das Geld nicht als Schuld in die Welt bringen, denn wenn wir alle Schulden begleichen, ist kein Geld mehr im Umlauf
        4. Implementierung des Rechts zu einem menschenwürdigen Leben: Ausgabe eines bedingungslosen Bürgergeldes zur Sicherstellung von Nahrung, Unterkunft, und medizinische Versorgung, einhergehend mit der Umstellung der Versteuerung, was auf breiter Expertenbasis auszuarbeiten wäre
        Und es bleibt dann noch Vieles mehr zu bewegen, was dann aber quasi von ganz allein kommen wird …

  4. Anschließend ein Text, den ich an anderer Stelle (http://www.politik.de/forum/innenpolitik/233002-auf.html) gepostet habe und m.M.n. ganz gut zur Thematik passt und die Diskussion um eine weitere Frage erweitert:

    “Eine (Gegen-)Bewegung ist entstanden, die mit dem arabischen Frühling ihre Geburtsstunde hatte. Der Funken, der dort gezündet wurde, entflammte den globalen Reisighaufen, den ein wachstumgsgläubiges System hinterlassen hatte. Der arabische Frühling zeigte der Weltgemeinschaft dass Demokratie (im Sinne des Wortes) erkämpft werden kann. Nicht nur ein Kreuz in einem Quadrat nach jeder Legislaturperiode. Sondern ‘Empörung’ (vgl. Hessel) als solidarische Meinungsäußerung, jetzt und heute! Der arabische Frühling hat weltweit Mut gemacht, dass Protest, der kollektiv getragen und geäußert (demonstriert) wird, die Macht hat, um zu VERÄNDERN.

    Nun sind wir ziemlich zügig zur Gretchenfrage gekommen:

    WAS genau wollen wir (die “99 %”?) verändern?

    Finanztransaktionssteuer einführen?
    Trennung von Geschäfts- und Spekulationsbanken?
    Höchstsätze für Managergehälter/-boni?
    (…) ?

    Reicht das?

    Macht dass diese Welt zu einer gerechten Welt? Wird das eine Welt sein, in der die Menschen Zeit und Muße haben ihre Bestimmung zu suchen – und vielleicht sogar zu finden? Werden diese Änderungen ausreichen, tausendfache Hungertote täglich zu vermeiden? Wird die menschliche Spezies dann im Einklang mit der Natur leben, oder weiterhin Raubbau an ihr betreiben, bis wir uns selbst die Lebensgrundlage entziehen?

    IST DANN DER KAPITALISMUS ÜBERWUNDEN?

    Wollen wir das eigentlich? Den Kapitalismus überwinden?

    Hier genau verläuft die Trennlinie, die so hoffe ich, die „Bewegung“ nicht spalten wird:

    ‘Gezähmter’ Kapitalismus oder überwundener K.?

    Die Beantwortung dieser Frage hat weitreichende Folgen, wofür genau wir auf die Straße gehen und was wir genau auch bereit sind für unsere Ziele zu geben. Ob wir auch bereit sind unseren Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Ob es uns beispielsweise reichen könnte, NUR EINMAL in der Woche Fleisch zu essen, aber dafür zu wissen, wo es herkommt.

    Es reicht nicht nur zu sagen, was man nicht will. Es reicht noch nicht mal zu sagen, was man will.

    Es braucht, zu sagen, was man dafür zu geben bereit ist!”

  5. Besinnung, Entschleunigung und beschleunigt all jene erdzerstörenden Daueraktionen der letzten 500Jahre Menschheitsgeschichte in die sog. “nachhaltige Richtung” lenken.

    Dafür benötigen weiterhin Technologien,Produktion, schaffen Arbeitsplätze, Bildung etc. aber auch in diesen Regionen welche so gerne als Schwellenländer bezeichnet werden dann wird die Hungersnot gelindert.

    Investitionen in globale Nachhaltigkeit für den blauen Planeten manche mehr manche weniger, samt Verzicht in vielen Bereichen für Dinge die keiner braucht, jeder für sich kann heute noch beginnen sich in seinem Lebensumfeld neu zu orientieren was man bereit ist für eine Zukunft des Planeten und der Menschheit zu geben ist.

    Ein einfacheres Leben miteinander kann durchaus ein lebenswertes und gesünderes sein.

  6. Hmm, leider wenig los hier, was TOTAL Schade ist. Bin über ‘Le Bohemien’ (auch sehr empfehlenswert – und das meine ich WÖRTLICH) auf diese Seite gekommen. Sehr hochwertige und mitreissende Texte. Habe aber leider das Gefühl, von VIEL ZU WENIGEN gelesen!
    Und die Forenbeiträge sind bei beiden genannten Seiten höherwertiger, als auf allen Foren, wo ich jemals war, und das waren einige… By the way: Falls Ihr Euch ein bisschen mit neoliberalen “BEWAHRERN” reiben wollt, stellt mal einen Text auf politik.de rein. Da wird einem ganz warm, vor Reibungshitze: http://www.politik.de/forum/innenpolitik/233002-auf.html

    Und, was ich toll finde, diese Forenbeiträge haben sogar Einfluß auf die gestellten Texte haben. Bravo, das ist ein Blog!

    Nein, ich bin nicht Forian Hauschild, der sich hier unter fremden Namen eingehackt hat. :)

    Bin nur jemand (der übrigens von Ebengenanntem keine geldwerten Leistungen bezieht) der glaubt, das oben genannte Seiten gut für das sind, wofür Demonstranten nachts im Zelt frieren.

    Also macht Werbung!

    Apropos Werbung!

    Bin über die Nachdenkseiten auf die Verlinkung gestoßen, auf der Konstantin Wecker sein Lied „Empört Euch!“ zum freien Download anbietet.
    Zugegebener Maßen habe ich mehr Motörhead-Platten als die von K.W. (nicht eine).
    Aber der Typ war mir immer sympathisch und politsch sehr aktiv.

    Das wäre mal ein Bundespräsident! (Mein’ ich ernst!)

    Auf jeden Fall (ich habe den Titel gerade 2-3 mal gehört), hat der Song das Zeug zur Hymde der deutschen Occupie-Bewegung zu werden!
    Und, Musik erreicht das Herz (und das Herz ist doch das wichtigste in einer Bewegung, und überhaupt!) ganz anders, als es ein stundenlanger Vortrag über Finanzmarktspekulationen, usw. usf.) es vermag…

    Hörts Euch mal an!
    Wenn’s gefällt, weiterempfehlen!
    Wie gesagt, kostet nix.

  7. Frisch aus der Presse und hierzu gut passen:
    Occupy und Globalchange – Die Natur liefert das Vorbild
    “Genau das ist der spannende Prozess, in dem wir momentan stecken. Und dabei geht es nicht nur um die Macht der Banken oder der Beteiligung an politischen Prozessen. Letztlich geht es um einen Systemwandel, von dem unser Überleben abhängt. Es geht darum, durch Kooperation und neue Abstimmungsmustern im Kleinen wie im Großen zu etwas zusammenzuwachsen, das nachhaltig einen Lebensraum bieten kann.”

  8. DANKE ~ das spricht mir aus dem Herzen und Seele.

    «Wenn ein weiser Mensch leidet, so fragt er sich:
    ‘Was habe ich bisher getan, um mich von meinem Leiden zu befreien?
    Was kann ich noch tun, um es zu überwinden?’

    Wenn aber ein törichter Mensch leidet, so fragt er:
    ‘Wer hat mir das angetan?’”

    (Thich Nhat Hanh)

    “There are many of us who are eager to work for peace, but we don’t have peace within.
    Angrily we shout for peace.
    And angrily we shout at the people who, like us, are also for peace;
    even people and groups dedicated to peacemaking sometimes fight amongst themselves.

    If there is no peace in our hearts, there can be no harmony among the peace workers. And if there is no harmony, there is no hope. Peace must begin with ourselves: with the practice of sitting quietly, walking mindfully, taking care and releasing tension in our body and feelings. That is why the practice of being peace is at the foundation. Doing peace is something that comes from that foundation.” –Thich Nhat Hanh

    Gut ~ich weiß das wird für viele zu unradikal, zu einfach sein – aber wenn wir das Unkraut nicht bei der Wurzel angehen – ENDLICH ! ENDLICH bei der WURZEL in J E D E M von UNS – dann wird doch immer immer immer immer wieder der gleiche Scheiss nachwachsen.

    “Was können wir noch verändern, wie sollen wir uns wehren, wenn alle Konkurrenten sind? Und jeder gegen jeden kämpft…
    Wie bekämpft man das große Ganze?”

    Respekt.
    AnMUT. WIR ALLE HABEN DAS !!! Wenn wir es uns trauen.
    Bitte lasst uns nicht unsere Energien so mies gegeneinander verschwenden.

    Würde. – lasst sie uns uns wiedernehmen. Sie uns selbst wiedergeben.

    Frieden

  9. gut bis sehr gut

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