Die Niemandsregierung – Ein Albtraum

Das Imperium schlägt zurück

Die «technischen» Regierungen in Griechenland und Italien sind ein Experiment mit Modellcharakter. Amador Fernández-Savater, ein spanischer Journalist und Chronist der spanischen Protestbewegung, ortet in diesen «Niemandsregierungen» eine anonyme, kaum angreifbare bürokratische Macht im Dienste der Finanzindustrie. In seinen «Notizen eines Albtraums» begründet er seine Befürchtungen und zeigt Gegenstrategien auf. Übersetzung: Walter Beutler

«Wir erachten eine technokratische Regierung der nationalen Einheit, zusammengesetzt aus den linken und rechten Kräften des politischen Spektrums und angeführt von Leuten des Vertrauens, als beste Möglichkeit, um die Reformen zu Ende zu führen und das Vertrauen der Investoren aufrecht zu erhalten. (…) Im aktuellen Kampf der modernen, reifen Demokratien gegen die schwere Krise der Staatsschulden stellen technokratische, ‹apolitische› Regierungen eine dringliche Alternative dar. Im gleichen Mass, wie das öffentliche Vertrauen in die Politiker schwindet, verstärkt sich der Widerstand gegen die Strukturreformen, und die Parteien haben Angst vor den Kosequenzen an der Urne, wenn sie schmerzhafte Reformen durchführen.»

Tina Fordham, Citigroup

Täglich geschehen tausend Dinge. Doch wie erkennt man, welches die Zeichen des kommenden Wandels sind? Was sind Spuren oder Echos der Vergangenheit? Und was kündigt entscheidende soziale Tendenzen an? Wie wissen wir, ob wir eine historische Schwelle überschritten haben? Dies habe ich mich in diesen Tagen gefragt, als ich über die «technischen Regierungen» nachdachte, die in Griechenland und Italien installiert wurden. Ich betrachte diese als äusserst schlechte Vorzeichen, als experimentelles Muster, das bald, sehr bald wiederholt werden könnte, als Prototyp.

Tatsächlich braucht es zurzeit keine besondere Phantasie, um sich eine technische Regierung auf europäischer Ebene vorzustellen, die sich als einzig mögliche Alternative zu einem unmittelbar drohenden totalen Crash anbietet und rechtfertigt – oder gar als bestmögliche Sachwalterin einer bereits in Gang befindlichen Katastrophe. Eine «Übergangsregierung» ohne Politiker dazwischen, vollständig zusammengesetzt aus Experten und Bevollmächtigten, die wissen, was zu tun ist, und keine Angst haben, dies auch zu Ende zu führen – und auch ohne noch so geringe Bindung an die Staatsbürgerschaft. – Ein Albtraum?

Griechenland und Italien wären dafür ein Zukunftslabor. Und das Experiment läuft nicht schlecht. Erste Erkenntnis: Es lässt sich realisieren. Die beiden an militärischen Kalorien armen Staatsstreiche haben in der «demokratischen» öffentlichen Meinung keinen Aufruhr hervorgerufen. So scheint es mir zumindest. Niemand hat Monti oder Papademos gewählt. Niemand hat über die Programme abgestimmt, die umgesetzt werden sollen. Doch die Parlamente haben beide Regierungen bestätigt. Und generell ist eine Stimmung der Resignation festzustellen, zumindest kein Enthusiasmus. Warum nicht? Wenn das, was es gibt, das einzige ist, was man haben kann, so soll es zumindest jemand Fähiges durchführen, jemand ohne Extravaganzen – und der etwas vom Rechnen versteht. Oder etwa nicht?

Hannah Arendt nannte die Herrschaft der Bürokratie eine «Niemandsregierung» und sagte dazu: «Das ist nicht notwendigerweise eine Nichtregierung. Unter gewissen Umständen kann daraus sogar eine der grausamsten und tyrannischsten Varianten einer Regierung hervorgehen.» Weshalb? Ganz einfach weil «wir niemanden dafür verantwortlich machen können. Es gibt keinen echten Urheber der Handlungen und Ereignisse. Sie überwältigen uns einfach.»

Es folgen nun ein paar Überlegungen und Erklärungen, die mir mehr oder weniger ungeordnet durch den Kopf gehen, wenn ich an die technischen Regierungen von Monti und Papademos denke. – Notizen eines Albtraums.

Die Niemandsregierung ist eine Folge der Krise der politischen Vertretung

«Die Abwesenheit von Politikern erleichtert uns die Dinge.»

Mario Monti

«Papademos war nie in die Politik verwickelt. Er weiss, was zu tun ist.»

Thanos Papasavvas, Leiter von Investec Asset Management

Das globalisierte Umfeld hat die klassischen Merkmale der Souveränität der Nationalstaaten zerfetzt, Kennzeichen wie etwa die eigenen Grenzen, das eigene Geld, die Verteidigung, die Kultur usw. Die Staaten beschränken sich immer mehr darauf, in einem konkreten Territorium die Notwendigkeiten der globalen Ökonomie zu bedienen. Links und rechts im parlamentarischen Spektrum werden in der Regel dieselben Interessen, dieselben Ideen über Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit verteidigt. Die Institutionen sind für die Bürgerbeteiligung kaum durchlässig. Auf Bürgerebene sind all diese Feststellungen Binsenweisheiten, offene Geheimnisse. Nicht Systemgegner, sondern die unterschiedlichsten Menschen gehen auf die Strasse und rufen: «Sie nennen es Demokratie, obschon sie es nicht ist», und verschwören sich im Internet, um das Wahlsystem zu hacken.

Technische Regierungen passen bestens zu diesem sozialen Hintergrund: zur verbreiteten Ablehnung der aktuellen Politik unserer Politiker, zur vollständigen Blockade zwischen Links und Rechts, zum allgemeinen Überdruss gegenüber der Korruption und gegenüber Politstars des Typs Berlusconi. Monti und Papademos kündigen postpolitische und postideologische Regierungen an, rein technisch geführte Regierungen. Sie selber sind nur Masken, wie jene von Anonymous, hinter denen jedoch niemand aus Fleisch und Blut steckt, sondern nur die abstrakte und unpersönliche Macht der Finanzmärkte. Es sind weder Linke noch Rechte. In Tat und Wahrheit führen sie Regierungen der nationalen Einheit zwischen Links und Rechts an. Es sind keine Politiker und schon gar keine Politstars, sondern einfache Geschäftsführer, Ingenieure, Experten. Sie sind nicht durch bornierte Treue an eine Ideologie gebunden, nicht an die Leute, die sie gewählt haben, nicht an persönliche Ambitionen. Sie streben danach, das Wasser der Politikverdrossenheit auf ihre Mühlen zu lenken. Sie sind die finstere Kehrseite der Krise der politischen Vertretung.

Die Niemandsregierung: eine rationale Regierung

«Monti verspricht letztlich, ein sehr viel normalerer, ‹langweiligerer› Politiker als Berlusconi zu sein. Doch was von ihm erwartet wird, sind Zuverlässigkeit und Effizienz. Das Fest ist beendet.»

La Vanguardia

«Fünf Worte werden das Programm von Monti charakterisieren: Wirksamkeit, Dringlichkeit, Wachstum, Ernsthaftigkeit und Fairness.»

Paso a paso

Mario Monti wird «der Professor» genannt. Er wie auch Papademos sprechen einzig von Effizienz in der Amtsführung. Beide versichern, nicht an eine Ideologie gebunden zu sein. Sie führen nur aus, «was getan werden muss». Was sein muss.

Nach einer langen, ehrwürdigen philosophischen Tradition, die von Platon bis Kant reicht, ist das «freie» Handeln ein Handeln «aus Pflicht», das heisst «in notwendiger Weise». Die platonische Theorie spricht von einer «Regierung der Philosophie»: eine Regierung der universellen, notwendigen Ideen, in der getan werden muss, was rational und richtig ist, unabhängig von Meinungen und Wünschen. Die kantische Theorie spricht von einem «freien Agenten», d.h. von einem Agenten, der «aus Pflicht» handelt, also «rational». Die Niemandsregierung tritt wie eine technische, instrumentelle Regierung in Erscheinung, wie die reine Anwendung wirtschaftswissenschaftlicher Wahrheiten, eine solide Regierung, insofern sie nicht aus Vorurteilen oder Privatinteressen heraus handelt oder entscheidet, sondern «interesselos». Eine effiziente Regierung, in der jene kommandieren, die das nötige Wissen haben, nicht jene, die in den Massenmedien am meisten schillern oder die den Leuten in den Korridoren der Macht ein Bein stellen.

«Die Niemandsregierung ist die tyrannischste aller Regierungen, da man niemandem die Rechnungen für ihr Handeln servieren kann (…) es ist unmöglich, den Verantwortlichen auszumachen oder den Feind zu identifizieren» (Hannah Arendt). Wer der Niemandsregierung nicht zustimmt, ist kein Gegner mit Vernunft oder ehrwürdigen Absichten. Er kann nur ein Verrückter oder Stümper sein. Denn nur ein Verrückter oder Stümper kämpft gegen die Schwerkraft. Ebenso wären es Verrückte oder Stümper, welche die Meinung des Volkes über die durchzuführende Politik einholen wollten – wie wenn über die Richtigkeit einer mathematischen Formel eine Mehrheit befinden könnte. «Was wissen denn die Leute darvon, was für sie hilfreich ist?» Was die Leute sagen, kann nicht mehr als Geraune oder Getobe sein. Es ist unnütz, absurd und in hohem Masse verderblich, ihnen zuzuhören.

Hingegen entspricht die Vernunft der Niemandsregierung der «Intelligenz des Notwendigen», indem sie die Gesetze entziffert, die die Welt beherrschen, und ihr Handeln danach ausrichtet. Allerdings sind das ganz andere Gesetze als jene, an die Platon und Kant dachten. Der kategorische Imperativ von Monti und Papademos ist schlicht der Gehorsam genüber den Notwendigkeiten und Forderungen von Goldmann Sachs und den Finanzmärkten. Dies ist heute unsere Schwerkraft.

Die Niemandsregierung als Schutzmacht

«Werden wir davonkommen? Ja, natürlich.»

Corrado Passera, Superminister für Entwicklung, Infrastruktur und Transport

«Gehen wir ins Rennen!»

Mario Monti

«Um Italien zu retten, müssen wir auf Glaubwürdigkeit und Verantwortung setzen. Und man muss mit Wahlen vorsichtig umgehen.»

Franco Frattini, Aussenminister

Die Niemandsregierung verspricht, uns vor der Katastrophe zu bewahren. Der Meteor der Krise rast unaufhaltsam auf die Erde zu. Die Medien verkünden, dass sein Einschlag unmittelbar bevorsteht. Das Fussvolk starrt mit offenem Mund in den Himmel. Einzig eine Handvoll entschlossener Helden weiss, was vor sich geht, und handelt entsprechend. Zweifellos können sie uns nicht alle retten. Es gibt nun mal solche, die nicht so schnell rennen. Doch wer weiss, vielleicht können sie mich retten. Man muss Vertrauen haben …

Die Rettungsmacht rechtfertigt sich nicht mehr mit diesen oder jenen Werten, die es zu verteidigen gilt – etwa die Demokratie oder ähnliches –, sondern mit unserem schlichten und reinen Überleben als Geschlecht. Sie tut das als pastorale Macht, die wacht und dafür garantiert, dass wir als Herde erhalten bleiben. Sie tut es auch als medizinische Macht: Wenn du dich dagegen auflehnst, unterschreibst du damit dein eigenes Todesurteil. Ebenso tut sie es als eine von der göttlichen Vorsehung bestimmte Macht, wie der französische Philosoph Maurice Blanchot erklärt: «Unser Schicksal ist nun an der Macht – nicht eine historisch bemerkenswerte Person, sondern eine Macht, die über der Person steht, eine Kraft der höchsten Werte. Nennen wir sie ‹die Schutzmacht›, aber nicht im Sinne eines personifizierten Herrschers, sondern im Sinne von Herrschaft als solcher, insofern sie in sich alle Möglichkeiten des Schicksals vereint.» Die technische Regierung ist keine Diktatur, keine personale tyrannische Macht: «Ein Diktator defiliert ohne Unterbruch. Er spricht nicht, er schreit. Sein Wort hat die Gewalt eines Schreies, des lateinischen dictare, der Repetition. [Die Schutzmacht] tritt auf – allerdings aus Pflicht. Sogar wenn sie auftritt, erscheint sie wie ihrer eigenen Gegenwart fremd. Sie ist in sich gekehrt. Sie spricht, aber im Geheimen …» Gegenüber der belusconianischen Show das diskrete «Auftreten aus Pflicht» des Professors …

Blanchot weist ferner darauf hin, dass die Schutzmacht im Tausch für die gebotene Sicherheit jeweils einen «politischen Tod» verlangt. Ihre Macht muss unbestreitbar sein. Alle Möglichkeiten des Dissenses – eingeschlossen des Vorwurfs, selbst Komplize der Katastrophe zu sein – müssen von vornherein ausgeschlossen werden. Wir delegieren an den Herrscher all unsere Fähigkeiten – des Ausdrucks, des Denkens und des Handelns – und die Politik wird geächtet. Denn in Tat und Wahrheit treibt die Niemandsregierung keine Politik. Und sie handelt auch nicht, ja, entscheidet nicht mal. Sie verwaltet nur. Das heisst, sie reguliert nach ihren Möglichkeiten eine Macht, die sie selbst übersteigt und absoluten Vorrang hat: eine hyperkomplexe Maschine, die von ökonomischen Interessen angetrieben ist, eine unmenschliche Macht, die man nicht bremsen, handhaben oder verändern, sondern ihr nur auf bestmögliche Weise gehorchen kann. Es ist die Macht des Automatischen, Notwendigen. Es ist unser Schicksal.

Der Tanz der Niemande gegen die Niemandsregierung

Wie aus diesem politischen Tod aufwachen? Die hehren Diskurse, die unsere Demokratien noch mit der freien, freiwilligen und organisierten politischen Vernunft gleichsetzen, klingen immer mehr wie ein schlechter Witz. Doch es gibt sie noch, jene, die angesichts der Bedrohung durch die Niemandsregierung empfehlen, wir sollten weiter in das Parteiensystem, in die politische Vertretung, die Links-Rechts-Achse vertrauen. Mehr noch: Es gibt Stimmen, die mit voller Überzeugung der «anonymen Revolution», die sich zurzeit weltweit ausbreitet, vorwerfen, sie hätte der Niemandsregierung den Weg geebnet. «Schaut! Das ist das Ergebnis eures ‹Sie vertreten uns nicht›.»

In Tat und Wahrheit ist es gerade umgekehrt. Indem sie alle Macht den Finanzmärkten übergeben haben, indem sie sich gegen jedes Fünkchen Bürgerbeteiligung abgeschirmt haben und zu reinen Sachwaltern des Unausweichlichen und Notwendigen geworden sind, haben die Politiker ihr eigenes Grab geschaufelt. Wenn sie dran kommen, die Papandreus, Berlusconis und Rajoys, können sie sich beklagen, wie immer sie wollen: Die Mächte, an die sie sich hielten, haben sich plötzlich dazu entschieden, auf ihre Dienste zu verzichten und an ihre Stelle andere, vertrauenswürdigere Ingenieure zu setzen. Punkt!

Die einzige Möglichkeit, aus dem politischen Tod aufzuwachen, ist, was Hannah Arendt die «Aktion» nannte. Agieren heisst, die Vorherrschaft des Automatischen durchbrechen, und ist das Gegenteil von Gehorchen oder Repetieren. Wir verinnerlichen auch im persönlichen Leben die Automatismen, wenn wir tun, was wir tun sollen, wenn wir sehen, was wir sehen sollen, wenn wir sagen, was man sagen soll, und wenn wir denken, was zu denken vorgeschrieben ist. Arendt nannte dies «das Gehabe»: ein normalisiertes Verhalten, das vorhersehbar und voraussagbar ist. Wenn wir hingegen agieren, «kommen wir mit Gleichen zusammen und beginnen etwas Neues». Wir treten aus der Isolation und Machtlosigkeit heraus und werden fähig.

Die «Politik aller» von Bewegungen wie 15-M oder Occupy ist weder das Gegenstück noch das Symmetrische zur Niemandsregierung: Diese Bewegungen vertrauen nicht dem Kommando derjenigen, die wissen, sondern gehen davon aus, dass wir alle denken können. Sie haben kein Gesicht – genau aus dem Grund, damit alle und jedes einzelne der vielen Gesichter hineinpassen. Sie verwalten nicht, was vorhanden ist, sondern finden im Kollektiv neue Antworten auf gemeinsame Probleme.

Vielfältigkeit, Erfindergeist, Denken: Das ist der Tanz der Niemande gegen die Niemandsregierung.

Original auf dem Blog von Amador Fernández-Savater, deutsche Übersetzung im Original auf dem Blog von Walter Beutler

Zum Thema:

- Die neoliberale Reconquista – Griechenland, Italien (und bald Spanien?) erleben Machtergreifung der Experten

Warum spenden?: Selbstverständnis eines Bloggers – Journalismus im schwarmintelligenten Wandel

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37 Responses to “Die Niemandsregierung – Ein Albtraum”

  1. Vielleicht waere es gut, neben diesem Artikel auch jenen zu lesen.

    http://eamb-ydrohoos.blogspot.com/2011/11/deutschland-das-hayvan-europas.html#

  2. Das ganze nennt man wohl Post-Demokratie.

    Es ist schon paradox: Je schlimmer die Verwerfungen, die dieses kapitalistische System auslöst desto größer die Machtzunahme der Vertreter dieses Systems. Und desto größer die Gegenwehr, die für die Überwindung bestehender Zustände eintreten.

    Sehr schönes symbolisches Foto dazu:

    http://cdn4.spiegel.de/images/image-288737-galleryV9-mxsz.jpg

  3. Ich meinte: .. Und desto größer die Gegenwehr >gegen die<, die für die Überwindung bestehender Zustände eintreten.

    P.S.: Wünsche mir zu Weihnachten von Euch eine Fehlerkorrekturmöglichkeit! :)

  4. “Diese Bewegungen vertrauen nicht dem Kommando derjenigen, die wissen, sondern gehen davon aus, dass wir alle denken können. Sie haben kein Gesicht – genau aus dem Grund, damit alle und jedes einzelne der vielen Gesichter hineinpassen. Sie verwalten nicht, was vorhanden ist, sondern finden im Kollektiv neue Antworten auf gemeinsame Probleme.”
    Genauso wird es laufen. Habt Vertrauen!

      • SLAVOJ ŽIŽEK: I feel now like that Stalinist commentator, you know. The leader has spoken; I provide the deeper meaning, and so on, with pleasure. No, first I would really like to begin with what you said. It’s extremely important. I have a philosophical term for it. When you moved from right to speak, right to know, communication and so on, I think that, as many of you know, in the history of modern thought, the first one to formulate this was Immanuel Kant in his wonderful distinction between private and public use of reason. This distinction is so wonderful because, for Kant, private use of reason is not I gather with my friends in the kitchen of my apartment or a pub. No, private use of reason is, for Kant, theological faculty, legal faculty, political sciences, where what you are thinking, debating, developing serves a goal set up in advance by a power structure or ideological structure and so on. For Kant, we here, at a distance from this hierarchic political—in the sense of establishment, of course, of establishing power structure, space—we are the public use of reason.

        And why is this so important? Because what—I see WikiLeaks as part of a global struggle which doesn’t concern only in the narrow sense this domain of right to know, in the sense of right to information and so on, but even education. You know, you—by “you,” I mean U.K. citizens here—what horrors are being made now in the U.K. university reform, new privatizations and so on and so on. This is all one concerted attack on the public use of reason. It goes on all around Europe. The name is so-called Bologna high education reform, and the goal is very clear. They say it. It’s to make universities more responsive to social life, to social problems. It sounds nice. What it really means is that we should all become experts. As a French guy, later minister, explained to me in a debate in Paris. For example, cars are burning in Paris suburbs. What we need is psychologists who will tell us how to control the crowd, urbanists who will tell us how to restructure the streets so that the crowd is easy to break up or whatever. Like, we should be here as a kind of a ideological or specialist serviceman to resolve problems formulated by others. I think this is the end of intellectual life as we know it.

    • Hätte ja gerne Deinen Optimismus. Die Systemprofiteure habe enorme Macht, die sie einsetzen und einsetzen werden um bestehende Verhältnisse zu verteidigen.

      Bestehende Machtstrukturen müssen überwunden werden. Freiwillig werden diese ihre Felle nicht aufgeben.

      Selbst wenn Antworten gefunden werden, die den Weg auf eine bessere Welt ebnen würden, so wird diese Kaste all ihre Macht ausspielen, dass diese Antworten nicht umgesetzt werden.

      Es geht leider nicht nur um Erkenntnisse und die Wahrheit. Es geht um Dogmen, die von sehr mächtigen Strukturen betoniert werden.

  5. Man kann es auch ganz kurz: “offene Diktatur” nennen.

  6. @babyshambler: wordpress bietet das leider nicht…

    Ich weiß, ich nutze wordpress auch und es ist ziemlich gut…

    Aber Wünschen ist erlaubt – und irgendwo habe ich munkeln gehört, dass Wünsche die Tendenz haben, sich zu erfüllen :-)

  7. @ Solveigh
    Danke für den Link. Weiß echt nicht ob ich weinen oder kotzen soll. In was für einer Welt leben wir? Wofür der Buchdruck? Wofür die Aufklärung? Letztendlich herrschen Machtverhältnisse schlimmer als im Mittelalter – da besser organisiert.
    Überall Nachrichten die mich an der Menschheit zweifeln lassen. In Amerika prügeln Robocop-Polizisten Occupy-Camps weg (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,801486,00.html).
    Demokratie nennt sich das heutzutage. Wehrlose Menschen, die von ihrer Meinungsfreiheit auf öffentlichen Plätzen Gebrauch machen werden niedergeknüppelt, vertrieben und mit Pfefferspray (Unwort übrigens – mit Pfeffer würzt man Gerichte, das sind ganz üble Kampfstoffe) malträtiert. Ich empfinde eine ohnmächtige Wut.
    Ich hoffe so inständig, dass wir es irgendwann schaffen können, wir genug Kraft haben werden, bestehende Verhältnisse zu verändern. Die Machtverhältnisse sind (noch) auf der anderen Seite, und es bedarf immens viel Graswurzelenergie um diese vom Thron zu stürzen. Wir sind leider noch weit entfernt davon. Bataillone von gleichgeschalteten BILD-Zeitungslesern und I-Phone-Sklaven führen ihr Zombie-Dasein und kriegen gar nicht mit, in was für einer Diktatur sie leben. Sie sind zufrieden mit dem Titten-Bild in der BILD-Zeitung und ihrer Flatrate. Sehnen sich nach Guttenberg und neuen Freunden bei Facebook.
    Sicher, wir sind die 99% die ausgebeutet werden. Aber wir sind nur ca. 20%, denen das bewusst ist; die sich überhaupt Gedanken darüber machen.

    Es liegt noch ein sehr langer Weg vor uns. Und die Zeit wird knapp. Weiß momentan nicht, wo ich meine Hoffnung herholen soll… :(

    @Babyshambler
    Ist schon in Ordnung. Ist eine tolle Seite, die Du da führst. Viel Herzblut und viele tolle Beiträge. Ich denke auch, dass die Qualität der Forenbeiträge (meine mal bescheiden ausgenommen) Dich in Deiner Arbeit bestätigen werden. Mag sich pathetisch anhören, ab dieser Blog ist ein Licht im verdunkelten, kapitalistischen Nachthimmel. Mach weiter so, damit ich nicht ganz an der Menschheit zweifel! :)

    • …danke…werde mir weiter mühe geben…das krasse ist wie sehr man für diese arbeit, die ja eigentlich nur gut gemeint ist teils angefeindet wird…also damit mein ich nicht die kommentarbeiträge hier, die sind in der tat sehr wertvoll, aber auf anderen wegen gibt es doch immer wieder diffamierungen, denunziationen, etc…wenn du andere betrügst, oder die schlimmste ausbeutung organisierst, feiern sie dich als held…in dieser gesellschaft läuft vieles grundlegend falsch…

      • Aah, komm schon! Der Hass von Feinden bestätigt einen doch genauso wie der Beistand von Freunden. Wie heißt es doch so schön: “Viel Feind, viel Ehr.’” Es weht einem doch frischer Wind um die Nase, wenn man sich aus dem Fenster lehnt. Mach weiter so, und schöpfe Kraft aus dem Gegenwind.

    • @Ralf: Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich fühle so ziemlich das selbe, wie Du.

      Und ja, wir haben nicht das Recht, Mut und Kraft zu verlieren… – das geht auch an Dich, @babyshambler!

      Ich denke noch immer, dass es einen Weg aus diesem Chaos gibt und ich hoffe sehr, dass die anderen 80 % nicht erst wach werden, wenn es zu spät ist!

  8. Wenn Griechenland und Italien privatisiert werden, ohne dass die Bürger sich wehren, dann wissen wir, wie schnell das weiter geht, sprich in unserem Land wird es auch passieren.

    • wehren tun sie sich schon…die bauen dort genauso an ihren eigenen struturen, wie wir hier…von daher seh ich das nicht ganz so schwarz. die regierungen spielen nun aber zunehmend die kriegskarte…für mich ist noch unklar wie sehr tatsächlich verstimmungen zwischen den machtblöcken dahinter stecken oder wie sehr man einfach nur gemeinsam die eigenen bevölkerungen verschrecken will…umfangreicher artikel dazu: http://theintelligence.de/index.php/politik/international-int/3651-die-welt-spricht-immer-mehr-von-krieg.html

      • wehren tun sie sich schon…die bauen dort genauso an ihren eigenen struturen, wie wir hier…von daher seh ich das nicht ganz so schwarz.

        Ich weiß nicht, ob wir noch viel Zeit haben, “an Strukturen zu bauen”…

        Die Analyse in dem Artikel entspricht genau meiner – und auch meinen Befürchtungen.

        Für mich ist es keine Frage mehr: wie sehr tatsächlich verstimmungen zwischen den machtblöcken dahinter stecken oder wie sehr man einfach nur gemeinsam die eigenen bevölkerungen verschrecken will

        Was hier geschieht ist bereits die ganz offene Kriegsvorbereitung, wobei der “Schlag” jeden Moment losgehen kann…

        Es bleibt lediglich zu hoffen, dass die “Mächtigen” Sch*ß bekommen, sich selbst gleich mit zu vernichten.

        Russlands Präsident Medwedew formulierte, als er die USA, Israel und die NATO vor einem Angriff auf Syrien und/oder Iran mit den Worten warnte, das würde eine ernste Gefahr für den Weltfrieden darstellen, außerdem: “Es ist eine Situation wie während der Kuba-Krise – nur schlimmer.” Ich gebe ihm recht und ich bete, dass dieser Kelch an uns vorübergeht, wie zur Zeit dieser Krise…

    • Es ist doch schon längst passiert. Wir werden von Technokraten regiert, die versuchen, den Bedürfnissen des ‘Marktes’ zu entsprechen. Hör Dir doch die Merkel an! Es geht nie um den Willen des Volkes (auf den sie einen Eid geschworen hat) es geht immer nur um den Willen der (Finanz-)Märkte.

      Wir werden bereits regiert von Technokraten, nicht von Demokraten.

      Der Markt ist die Staatsform, die Religion.

      Es geht schon lange nicht mehr um die Menschen, es geht heuer um die Kapitalinteressen. Um die Zementierung der Reichtumsverteilung.

  9. Sehr,sehr geiler Text zu dem Thema auf heise.de. Seltenheitswert durch seine Offenheit!

    Lesebefehl! :P

    http://www.heise.de/tp/artikel/35/35994/1.html

    • Wowww!

      Technokratie ist übrigens Neusprech und soll verschleiern, dass es sich hierbei um offene Diktatur bzw. Faschismus handelt.

      Leider bleibt der Artikel bei der Zustandsbeschreibung und Analyse stehen.

      Es wird kein Weg aus der Krise gezeigt.

      Der kann m.E. nur in der Abschaffung des Kapitalismus liegen. Alles andere ist tatsächlich nur die Wahl zwischen Pest und Cholera – und birgt vor allem wiederum die selben Entwicklungen in sich. Selbst, wenn jetzt durch Schuldenschnitt, Neuordnung der Finanzwirtschaft o.ä., was ich so alles gelesen habe, zunächst “Ruhe” einkehrt, werden nach ein paar Jahren doch wieder die selben Probleme erscheinen, weil sie eben System imament sind (wie in dem Artikel sehr deutlich heraus gearbeitet wird). Ich kann nicht versuchen die Symptome kurieren, ohne der Krankheit an die Wurzel zu gehen, was (un-)sinnigerweise übrigens auch die Medizin heute tut.

      Der Kapitalismus muss jetzt (wie zu den Zeiten der Weltwirtschaftskrisen vor dem 1. und 2. Weltkrieg) alles zerstören und vernichten, was vorher aufgebaut wurde, um dann wieder neu starten zu können. Wollen wir uns ein drittes Mal vera*schen lassen oder sind wir Menschen fähig endlich zu lernen?

      Es gibt ein Gleichnis von Bertolt Brecht:

      Karthago führte drei Kriege: Nach dem ersten war es noch mächtig, nach dem zweiten war es noch bewohnbar, nach dem dritten nicht mehr auffindbar.

      “Es gibt nichts Neues unter der Sonne”. Habe vergessen, wer das gesagt hat.

  10. Würde der platonische Charakter Fuß fassen wie ursprünglich gedacht – also sich rein der Sache und den gegebenen, unumgänglichen Notwendigkeiten (sic!) verpflichtet fühlen und ebenso handeln – dann wäre das ja noch hinnehmbar, weil: Kompetenz + Möglichkeit der Anwendung derselben grundsätzlich wünschenswert ist, gerade in der Politik.

    Da ich aber die Auffassung teile, dass dies quasi ein Putsch durch die Hintertür ist, vergleichbar dem Prinzip der “economic hitman”, sehe ich die zwangsläufige Enteignung der Volksstimme, da die Frage sich erhebt: Wenn die Technokraten nicht wollen, wer kann sie zwingen, Wahlen abzuhalten oder nach Frist abzudanken??
    Natürlich niemand, denn die eingesetzten Fachleute sind auch nur Fingerpuppen an der Hand des (ironie on) “Großen Unbekannten” (ironie off) und mithin sind die Exekutivkräfte ebenso in dessen Hand.

    Das Hauptproblem, das ich sehe, ist, dass es für “Otto Normalverbraucher” äußerst schwierig ist, an die erforderlichen Infos heranzukommen, um die TATSÄCHLICHE Verflechtungslage dingfest zu machen, um daraus die realistischen Entwicklungsoptionen ableiten zu können.
    Wir können nie wirklich WISSEN, ob es so ist, wie uns die Informationen es glauben machen (egal woher diese stammen!).
    Schon im alten China gab es Strategemata, die sich auf diese Idee kaprizieren (http://www.china-zeichen.de/html/36_strategeme.html), hier besonders 1,3,5,9,10,16, 20, 25, 28, 30, 35 – allein die Vielzahl zutreffender Analogien zur gegenwärtigen Situation lässt diesbezüglich nicht Gutes erahnen…

    Der Hauptprofiteur steht noch nicht wirklich fest, gleichwohl es natürlich eine Reihe sinnvoller Kandidaten gibt.
    Aber eine wirksame Abwehrstrategie kann es erst geben, wenn der faktische Drahtzieher und Nutzniesser bekannt ist, weil dieser durch seine erkannte Zielorientierung berechenbar und somit anfällig für Gegenstrategien wird.

    Im gegenwärtigen Status fuchteln alle aber nur im Info-Nebel herum, einmal in der Hoffnung, sich Verhängnis vom Leibe zu halten und natürlich auch, um möglicherweise dem Übeltäter eins aufs Haupt zu geben.
    Das das aber nicht wirklich funktionieren kann ist selbsterklärend.

    Was man also bräuchte wären BEWEISE dafür, wer nun mit wem oder eben auch nicht paktiert, zu welchem Zweck genau und mit welchen abgesprochenen operablen Mitteln.

    Z.B. das häufig zitierte “Kapital”. Ja, wer soll das denn nun genau sein? Ist es der IWF, der Dollar, die Fed, Rothschild, Rockefeller, die Ökonomen oder gar die EZB? oder nur ein eingeschworener Kreis innerhalb von Instituitonen dieser Art oder ein nationenübergreifendes Finanzkartell.
    Solange dies nicht wirklich beantwortet wurde, sind alle Rettungs- bzw. Präventionsversuche sinnlos und zum Scheitern verurteilt.
    Die Geißel der Krise ist also eigentlich die Geißel der unbestimmten und unbestimmbaren Information zur Definition der Situation.

    Ohne Definition keine Prävention, ohne diese keine Abwehrmöglichkeit.

    • Ist ein ziemlich düsteres Bild, das Du zeichnest, denn die “wirklich Herrschenden” haben sich geschickt versteckt und ihre Marionetten installiert, um genau den Effekt in den Köpfen der Menschen zu erreichen, den Du beschreibst: Du kennst Deinen Gegner nicht, also kannst Du auch nicht gegen ihn angehen, also kannst Du auch nicht gewinnen, also kannst Du es auch gleich sein lassen, also kann ich machen, was ich will, denn mich kriegst (findest) Du nie.

      Ist das richtig?

      Oder ist es richtig, den Machthabern einfach ihre Macht (das Geld, Eigentum und Regierung) zu entziehen?

      “Nutze die Energie Deines Gegners, um ihn zu Fall zu bringen” – aus dem Shaolin Kung Fu.

  11. @Solveigh: ich wollte damit ja nur darauf hinweisen, dass es ein Informationsdefizit gibt, das eine Gegenwehr sehr erschwert bis verunmöglicht – derzeit.
    Das lässt sich ja prinzipiell ändern – es geht um die Frage danach, wie man heraus bekommt, wer dahinter steckt und welche Absichten wirklich mit welchen Mitteln und Methoden verfolgt werden.
    Kurz: das Kind braucht nicht nur einen Familiennamen – es braucht ein identifizierbares Gesicht.

    Bis jetzt wird ja nur gegen Systembegriffe (Kapitalismus, Märkte, IWF, USA uswusw…) gewettert.
    Und wenn ich die Energie des Gegners nutzen möchte, um ihn zu Fall zu bringen, muss er wenigstens leibhaftig vor mir auf der Matte stehen – DAS meinte ich^^

    • Ja, das ist mir vollkommen bewusst, dass es diese Informationsdefizite gewollt(!) gibt. Damit wir “Normalos” und “dummer Pleb” gerade eben nicht auf die Idee kommen, uns zu erheben. Gegen wen sollten wir? Alle sind unschuldig, immer sind es die anderen. Du rennst ständig gegen Watte – verpulverst dabei Deine wertvolle (Lebens-)Energie und gibst schließlich entkräftet auf. Auch das erkenne ich als Absicht, um den Status Quo zu erhalten.

      Um den Zweck (und Wahrheitsgehalt) einer gegebenen Information zu erfahren, wurde mir beigebracht: Folge den Spuren des Geldes und frage: “Wem nützt es?” Frage, bis Du am Grund angekommen bist…

      Wenn ich warte, bis ich den oder die wenigen Verantwortlichen aus dem heute herrschenden System “auf die Matte” bekomme, werde ich wohl bis zum Santk Nimmerleinstag warten (müssen).

      Wir müssen uns da also schon was anderes einfallen lassen. Es gibt ja eben nicht vier Gesichter, und die hole ich mir zum Kampf und kämpfe bis ich siege, sondern es ist das gesamte System des Eigentums, Wirtschaftens, Handelns, der Finanzwirtschaft, eingebunden darin die (Ver-)Bildung und (Pseudo-)Kultur mit allen den Menschen mit ihren einzelnen Schicksalen darin.

      Wir müssen uns eben darum das gesamte heute herrschende System auf die Matte holen. Es heißt Kapitalismus. Es heißt Inhumanität, Rücksichtslosigkeit, Ausbeutung von jedem und allem. Es heißt maximale Profitmaximierung um jeden Preis. Es heißt Verelendung der Vielen, damit einige Wenige so viel haben, dass es auch ihre Nachfahren der 10. Generation nicht ausgegben können. Es heißt Krieg und Umweltzerstörung. Es Mord und Terror. Und das dann gleich überall auf unserer Erde.

      Werden diesem System die Grundlagen, die ich vorher nannte, entzogen, so brauche ich mich um die Banken, IWF, USA und wie sie alle heißen, nicht mehr kümmern, sie haben sich dann erledigt und implodieren einfach. Es geht nur, wenn das Übel an der Wurzel gepackt wird und der Sumpf grundsätzlich trocken gelegt wird. – Auch eine Krankheit kannst du nicht heilen, indem Du ständig an den vielen verschiedenen Symptomen herumdokterst.

      Das kann kein einzelner Kämpfer schaffen. Das können nur alle gemeinsam schaffen.

  12. Zu den “Experten” an sich und als solches habe ich unlängst eine interessante Entdeckung gemacht. Denn man könnte ja meinen, daß sich die Ökonomie auf unsicherem Terrain bewegt (der Markt als “scheues Reh”, Prognosen so zuverlässig wie der Wetterbericht), auch, wenn sie seit Adam Smith versucht, das mechanistische Weltbild des Isaac Newton auf die komplexen wirtschaftlichen Prozesse zu übertragen: wenn ich diesen Hebel umlege, passiert das.

    Mit anderen Worten: wenn es nur gelänge, all die infinitesimal kleinen Impulse im System zu “kontrollieren” (und sei es nur durch Beobachtung/Überwachung), ließe sich eine Voraussage über den Ausgang des Experiments treffen,

    Seit Heisenberg wissen wir, daß das Universum nur scheinbar so funktioniert, doch diese Erkenntnis ist noch nicht in der Politik- und Wirtschaftswissenschaft angekommen. Was nun also ein Wissenschaftler newtonscher Prägung tun muß, um die Beobachtung seines Experiments mit seinen Voraussagen übereinstimmen zu lassen, ist, die Zwangsbedingungen und die Prämissen anzupassen.

    Ein Beispiel aus der Welt der Mechanik: irgendwo in der Welt kollabieren zwei riesige Hochhäuser innerhalb von wenigen Sekunden, beide über 400 Meter hoch und aus hochwertigem Baustahl gefertigt. Nur zwei Tage später beweist der weltweit führende Experte seines Fachs, daß dieser Kollaps “unausweichlich” war, aller Erfahrung und Intuition zum Trotze, Unterzieht man seine Untersuchung einer genauen Analyse, stellt man fest, daß der leicht innerhalb des mathematischem Formalismus darstellbare Sachverhalt stillschweigend von einer Prämisse ausgeht, die einem Skandal gleichkommt: beide Hochhäuser waren von vorneherein schwerer, als sie tragen konnten, und besassen einen geheimen Federmechanismus bzw. eine Sollbruchstelle, der nur darauf gewartet hat, endlich ausgelöst zu werden! Mehr als zehn Jahre später noch pocht besagter Experte darauf, die “Sprengungstheorien” seien “Märchen” und überhaupt: dafür hätte man viel zu viel Sprengstoff gebraucht!

    Selbst ein so “einfaches” Ding wie newtonsche Mechanik läßt sich also – selbst bei sachlich und formal richtiger Anwendung – den Bedingungen anpassen, um einen Massenmord im Nachhinein als ein natürliches und unausweichliches Ereignis hinzustellen – wie viel leichter muß es dann sein, ein hochkomplexes Gebilde wie die Weltwirtschaft in Formeln zu gießen, über deren Richtigkeit zwar kein Zweifel besteht (2 + 2 = 4), die Deutungshoheit jedoch einigen wenigen Experten vorbehalten ist! Und wieder wird ein Massenmord zu einem natürlichen und unausweichlichen Ereignis.

    Wenn nun also die Experten der Krise von der Unausweichlichkeit sprechen und Kausalzusammenhänge fabrizieren, die sich in ihrer Komplexität dem Begriffsvermögen des “Pöbels” entziehen (und diesen damit aus dem Entscheidungsfindungsprozess ausschließen), werden sie immer eine geheime Bedingung in ihrem Formelwerk einbauen. Die gegenwärtige Politik ist dann, und nur dann alternativlos, wenn man ihre Alternativlosigkeit beweisen will, und das geht nur unter Ausschluß der gesündesten Annahmen und Fixierung auf unbewiesene Axiome wie “Der Markt ist gut, nur der Mensch ist schlecht und gierig.”

    Und spätestens, wenn fließendes Wasser aus der Steckdose kommt, sollte dem Installateur doch einleuchten, warum der Kunde gern eine zweite Expertenmeinung hören möchte, es ist nämlich schonmal im Namen der “Wissenschaft” Gas aus der Dusche gekommen und da will keiner mehr hin.

    • Das nannte mein Bio-Lehrer in Hinblick auf “wissenschaftliche Erkenntnisse” nach dem Krieg:

      “Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Marmelade Fett enthält. Und nun essen wir auf diese Weise unsere Marmelade eimerweise.”

      Manchmal hilft unvoreingenommenes Hinschauen und 1 und 1 zusammenzählen zum Verständnis mehr als alle “Experten”-Meinungen der Welt zusammen.

      Das Dingels, das wir alle zwischen den Ohren haben, eignet sich hervorragend zum Denken. Nach-Denken mag einfacher sein, Selber-Denken ist aufregender und kommt dem tatsächlichen Geschehen meist näher.

  13. @Akareyon

    König Salomo, nach Kohelet (Prediger/Ecclesiastes) 1,9 : )

    Danke für die Aufklärung :-)

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