Die Medien, das sind wir!

Über den Auf- und Ausbau dezentraler Mediennetze

Von Florian Hauschild

(4. November 2012, Aktuelle Ergänzung:  Support DIASPORA* – Das System sind wir!)

Information führt zu Wahrnehmung, Wahrnehmung führt zu Handeln, das aufsummierte Handeln ist unsere soziale Realität. Über die vergangenen Jahrtausende – bis heute – üben Partikularinteressen über die Medien Einfluss auf die soziale Ordnung aus. Stets war die Informationsverbreitung eng verbunden mit religiöser, staatlicher oder wirtschaftlicher Herrschaft.

Aktuell ist es ein eng verknüpftes Netz von Konzernmedien, das Entscheidungen stützt, verhindert, beeinflusst oder herbeiführt. Hinzu kommt die Macht des Agenda Settings, die große Medien ausüben. So legen diese vor allem auch fest, über welche Themen gesamtgesellschaftlich überhaupt gesprochen wird. Gleich einer unsichtbaren Matrix wird ein Rahmen festgelegt in dem wir uns geistig bewegen und aus dem wir nur schwerlich ausbrechen können. Auch als kritischer Nutzer oder Verweigerer der Massenmedien sind wir von diesem Agenda Setting betroffen. Denn wenn unsere unmittelbare Umgebung dergestalt beeinflusst wird, hat dies auch Rückwirkungen auf uns selbst.

Die digitale Revolution menschlicher Kommunikation eröffnet uns nun erstmals in der Geschichte die Möglichkeit, diese ideellen Fesseln zu zerschlagen. Das Internet, als dezentrales, freies Netz ist der Raum in dem wir uns vollends entfalten können und in dem wir – wenn wir bewusst handeln – die Struktur medialer Informationsverbreitung nachhaltig ändern können. Seit vielen Jahren arbeiten engagierte Menschen überall auf der Welt daran, uns Technologien zur Verfügung zu stellen, die diesen wichtigen Schritt nun ermöglichen. An erster Stelle sei hier das Bloggen genannt. Blogs geben jedem von uns die Möglichkeit selbst zu publizieren, also selbst Teil des Mediennetzes zu sein. Im Verbund, sprich in der Vernetzung, können wir uns gegenseitig informieren und sind fortan nicht mehr oder immer weniger auf die Information großer Konzernmedien angewiesen.

Auch können wir künftig mitentscheiden welche Themen uns am Herzen liegen, welche Probleme wir am dringlichsten lösen wollen und wie dies geschehen soll. Wir müssen nicht tagelang über banale Personalfragen reden, wenn es eigentlich wichtigere Dinge zu besprechen gibt. So gilt: Die Informationsverbreitung zu dezentralisieren heißt die Gesellschaft zu demokratisieren.

Blogs dienen auch als Archive umfassender Debatten, deren Teilnehmer im Verbund stets mehr Wissen zusammentragen als jeder Einzelne dies alleine tun könnte. Blogartikel und -diskussionen sind jederzeit für jeden einsehbar, verlinkbar, verbreitbar, vernetzbar. Blogs sind neben Wikis das ideale Werkzeug um den Wissensschatz, den die Menschheit über Jahrtausende angesammelt hat, strukturiert aufzubereiten und transparent für alle zugänglich zu machen.

Nun gibt es auch viele Skeptiker des Internets. Das Internet ermöglicht die totale Kontrolle heißt es immer wieder und soziale Netzwerke dienen letztendlich nur dem Zweck uns auszuspionieren, uns zu rastern und uns so zu immer effizienteren Kunden nutzloser Produkte zu machen. All dies ist nicht immer von der Hand zu weisen. Doch liegt es an uns, ob wir Dienste wie facebook nutzen um in einer persönlichen Lebens-Chronik jeden Kaffee den wir trinken einzutragen oder ob wir soziale Netzwerke als das verstehen was sie eigentlich sind: Dezentral verästelte Verbindungskanäle zwischen uns allen. Wir können diese Netzwerke nutzen um gesellschaftlich relevante Information auszutauschen und zu verbreiten. Zur Aufbereitung und Archivierung von Wissen taugen Netzwerke wie facebook jedoch nicht.

Das Internet als solches ist unser Raum und als diesen sollten wir ihn auch begreifen. Wir sollten nicht den Fehler machen, den wir vor einigen Jahrzehnten im politischen System gemacht haben: Andere haben dort vielleicht verächtliche Pläne verfolgt, wollten und wollen Wissen und Macht monopolisieren, also wendeten wir uns ab. Dies darf jedoch nicht die Schlussfolgerung sein, die wir für die Zukunft ziehen. Die Schlussfolgerung muss lauten: Besetzen wir das Netz, füllen wir es mit unseren Ideen! Begreifen wir es als die demokratischste und freieste Struktur, die jemals in der Menschheitsgeschichte geschaffen wurde und verteidigen wir es gegen jede Art der Zensur, gegen jede Art der Monopolisierung und gegen jede Art der Privatisierung. Unzählige Online-Aktivisten auf der ganzen Welt führen seit Jahren diesen Kampf, damit wir alle auch weiterhin das Netz zum freien Informationsaustausch nutzen können.

Wir alle haben in unserem Leben eine Menge gelernt. Vieles von dem sollten wir weitergeben und teilen. Wer denkt kann auch schreiben und wer schreiben kann, kann auch bloggen.

Die Zukunft wird in der Gegenwart geschrieben und sie ist nur dann demokratisch und gerecht wenn alle mitschreiben. Hört auch auf euch gegenseitig für das Verbreiten von Information anzugreifen. Herrschaft und Macht beruhen immer auf der Zurückhaltung und Kanalisierung von Information – nicht auf der freien Verbreitung ebendieser. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe das dezentrale Netz kleiner Medien weiter auszubauen und zu nutzen. Jeder Einzelne kann hierzu etwas beitragen und sollte dies auch tun. Denn Wissen ist Macht, und wir sozialisieren die Macht indem wir das Wissen sozialisieren.

Aktiv werden:

- Eigenen Blog bei WordPress eröffnen

- Auf dem Kollektivblog alex11.org anmelden und mitschreiben

- Gastbeiträge auf the-babyshambler.com schreiben

-Kommentarleitfaden dieses Blogs (Wie weiterführende Debatten auch im Internet möglich sind)

Zum Thema:

- Jacob Jung: Ich blogge, also bin ich: Vom publizistischen Ungehorsam

- Julian Assange: Verschwörung als Regierungshandeln
Das Wikileaks-Manifest

- Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace


creativ commons


Warum spenden?: Selbstverständnis eines Bloggers – Journalismus im schwarmintelligenten Wandel

About these ads

28 Responses to “Die Medien, das sind wir!”

  1. Lieber Florian,
    wieder ein guter Artikel von Dir! Ich sehe im Internet inzwischen die Technologie, die die nächste Transformation unserer Gesellschaft bedingen wird. War es die Industrialisierung, die den Feudalismus hinwegfegte und die Bürgerlichen auf den Chefsessel setzten. So erwarte ich, dass mit dem Internet endgültig Hierarchien sich auflösen werden. Ich habe hier dazu geschrieben: Über die aktuelle Transformation unserer Gesellschaft, Ordnung versus Chaos
    Lieben Gruß, Martin

  2. Gut gebrüllt, Löwe! Die Demokratisierung der Verbreitung und des Zugangs zu Informationen ist bestimmt ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Doch ob darin wirklich das Heil – pardon, ein etwas überspitzter Ausdruck – zu erwarten ist? Die schiere Flut an Informationen und Meinungen erschlägt einen geradezu, und es erfordert einiges an Kompetenz, zu erkennen, was verlässliche Information ist und was Mumpitz. Und von diesem gibt es ja auch eine ganz schöne Menge im Internet. Und Infos allein bringen uns ja nicht wirklich weiter – sie können sogar lähmen. Vielmehr sind die Zusammenhänge, die unbefangene, wirklichkeitsgerechte Einschätzung der Tatsachen entscheidend – und was wir daraus machen …

    Ist das Internet letztlich nicht nur ein Werkzeug – wie der Bleistift, die Schreibmaschine oder das Buch? Und entscheidend ist der Gesinnungswandel der Menschen, ihr Bewusstsein, ihr Mut zur Überwindung des Eigennutzes?

    • Ja, Walter.

      Die schiere Flut an Informationen und Meinungen erschlägt einen geradezu, und es erfordert einiges an Kompetenz, zu erkennen, was verlässliche Information ist und was Mumpitz.

      Traust Du den Menschen nicht zu, die Informationen aus dem “Wust” zu filtern, die für sie relevant sind? Die Relevanz mag für jeden anders sein. Was im Internet geschieht ist ja gerade, dass niemand mehr bestimmt, was für mich relevant zu sein hat! Ich entscheide mich für die eine oder andere Information und niemand anderes.

      Müssen wir uns von irgend jemandem sagen lassen, was für uns gut und richtig sind? Sind wir nicht alle denkende Wesen, die das sehr gut allein entscheiden können?

      Vielmehr sind die Zusammenhänge, die unbefangene, wirklichkeitsgerechte Einschätzung der Tatsachen entscheidend – und was wir daraus machen …

      Genau. Und das lernen wir, indem wir mit den vielen Informationen, auch dem Mumpitz umgehen lernen, dann vergleichen, filtern und erst dadurch zu unserer wirklich eigenen Meinung kommen können. Es gibt Menschen, die sich für diesen Mumpitz interessieren, sich in ihm gespiegelt sehen, er spricht sie an. Okay! Wer sollte das Recht haben, das zu beurteilen, zu zensieren, zu verbieten? Nur der Mensch sich selbst und sonst keiner niemandem!

      Ist das Internet letztlich nicht nur ein Werkzeug – wie der Bleistift, die Schreibmaschine oder das Buch? Und entscheidend ist der Gesinnungswandel der Menschen, ihr Bewusstsein, ihr Mut zur Überwindung des Eigennutzes?

      Genau! Und es gibt schon eine Menge Beispiele für diesen von Dir geforderten Gesinnungswandel und die Überwindung des Eigennutzes: Wikipedia, Linux, Firefox, Mozilla, OpenOffice sind Beispiele dafür. Das Internet ist der Sandkasten, das Spiel- und Übungsfeld, das Embyonalstadium, der Kindergarten und die Schule des neuen Seins und auch die Brücke, das Werkzeug, um diese neuen Strukturen ins Leben zu bringen:

      http://www.sein.de/gesellschaft/neue-wirtschaft/2010/die-befreiung-der-arbeit-das-7-tage-wochenende.html

    • Hallo Walter,

      ja, natürlich funktioniert das ganze nur unter Einbeziehung des gesunden Menschenverstandes – und zwar massenhaft. Ich stelle mir das so vor:

      Die Information muss in einem dezentralen Netz immer wieder reproduziert und transformiert werden..aus dem Chaos unfassbar großer Einzelinformationen bilden sich dann auf die Art Sinnzusammenhänge und Informationscluster heraus. Ein kleines Beispiel dafür kann jeder selbst täglich erfahren wer gut bei facebook vernetzt ist und viele aufgeklärte Informationsverbreiter in seiner Liste hat:

      Interessante Artikel werden dann deutlich öfter geteilt als irgendein Quatsch (wobei besonderer Quatsch natürlich auch sehr die Runde macht ;-) )…so entsteht wieder mal in der Vernetzung eine Art schwarmintelligente Vorauswahl der Information.

      Jeder muss dann natürlich selbst mit seinem gesundenen Menschenverstand einordnen und werten was ihn erreicht und dann eben auch wieder weiterverbreiten und transformieren…Im Diskurs wird so prozesual wertvolle Information zu Tage gefördert….Voraussetzung wie gesagt: Ein dezentrales Mediennetz – wie es das Internet ist – und das Füllen dieses Netzes mit hochwertiger Information (hieran kann durchaus noch gearbeitet werden).

  3. Wenn wir nur von allem soviel hätten was wir brauchen, um mal was aufzudröseln, umzukippen oder aufzubauen wie es onlineaktivisten gibt…könnte es morgen früh losgehen.

  4. Neben der gesetzgebenden, der rechtsprechenden und der ausführenden Gewalt hat sich eine vierte Gewalt etabliert: Die der Medien. Während der Sinn der Gewaltenteilung darin besteht, dass sich die drei erstgenannten Gewalten gegenseitig kontrollieren sollen, gibt es bei den Medien keinerlei Möglichkeiten, regulierend einzugreifen, ohne sich nicht gleich der Zensur verdächtig zu machen.

    Also welche Möglichkeiten gibt es, der Machtfülle der Medien und der Gefahr des Missbrauchs dieser Macht wirksam entgegen zu treten? Antwort: Das Internet und dessen reger Gebrauch in Form von Kommentaren zu online veröffentlichten Artikeln, oder eben selbstgeschriebener und in Weblogs publizierter Artikel.

    So brauchen wir um der Demokratie willen eine rege und kritische Netzgemeinde, die Aufsicht führt über den Machtfaktor Massen- und Mainstreetmedium. Wir benötigen deshalb – dringend – neben einer außerparlamentarischen Opposition (APO) auch eine außermediale Opposition (AMO). Diese AMO gibt es bereits. Sie muss sich nur als solche verstehen und sich noch lauter und noch kritischer zu Wort melden.

  5. Sorry, meinte natürlich Mainstreammedium.

  6. Möglich, dass das WWW 2.0 nicht der Allgemeinheit zugänglich gemacht, wenn die Vernetzung kritischer, oppositioneller Individuen, damals auch nur geahnt worden wäre.

    Die Occupy-Bewegung ist ohne das Internet schier undenkbar.
    Ziviler Ungehorsam/Widerstand (Demonstrationen, Flashmobs, usw.) werden heuer, zeitnah und vor allem viral organisiert. Mittels Handys gemachte Fotos und Filme (bspw. bei Demonstrationen und deren ‘Bekämpfung’) werden zeitnah und global verbreitet.

    Aber auch neue Formen des Widerstandes wurde durch das Internet möglich.
    Stichwort: Pfefferspray-Cop: Ihr kennt sicherlich alle dieses Bild: (http://www.buerger-denken-zukunft.de/wp-content/uploads/2011/11/112118468212824highResoriginal_red1.jpg1.jpg)

    Als ich es das erstmal sah, war ich über die Maßen schockiert und persönlich betroffen: Ein amerikanischer Cop versprüht in (so scheint es) aller Seelenruhe Reizmittel in die Gesichter offensichtlich friedfertiger Demonstranten.
    Wut, war das beherrschende Gefühl, was mich umtrieb (ja, und noch umtreibt).

    Was macht die Internet-Gemeinde? Kontert mit Humo!. Sogar ich konnte dann über die Fotomontagen lachen (ja, es war ein therapeutisches Lachen), die als Reaktion in’s Netz gestellt wurden.
    Hier einige Beispiele: http://www.google.de/imgres?imgurl=http://www.fr-online.de/image/view/2011/10/25/11218638,8300318,highRes,tumblr_luzu0vMaLH1r6m1z5o1_500.jpg.jpg&i

    Seit dem Buchdruck (Gutenberg mit einem T) wurde der Informationsaustausch, die Informationsübermittlung nicht mehr solchen Vorschub geleistet!

    Und das ist urdemokratisch!

    Wir bloggen, wir twittern, wir googeln und wir posten. Wir surfen, wir kommentieren, wir vernetzen und organisieren uns.

    Ich denke, das eine vernetzte Welt, nicht auf Dauer unterjocht werden kann. Es liegt an Jedem von uns, dies zu beweisen!

    Denn das Internet befähigt uns, wie nie zuvor, zur Möglichkeit der Vernetzung.

    Die Möglichkeit der Vernetzung wiederrum befähigt uns zur Organisation des Widerstandes, und nicht zuletzt zur Solidarität.

    • Du sprichst mir aus dem Herzen!

      Und jeder technologischen Revolution folgte, musste eine gesellschaftliche folgen!

      Ist nicht jede Gesellschaftsform bisher analog zu der Wirtschaftsform organisiert gewesen? Warum soll das mit der Entwicklung dieser neuen Wirtschaftsform, die von Dezentralisation, Vernetzung, Sozialisierung und Kooperation auf allen Ebenen geprägt ist, anders sein?

      • Hallo Soveigh,
        Danke für die Zustimmung!

        Eine Frage hätt` ich aber noch: Was genau verstehst Du unter einer “neuen Wirtschaftsform” im Zusammenhang mit dem Internet?

        Grüße
        Ralf

      • Hallo, Duderich,

        das habe ich bereits geschrieben. Es ist eine dezentrale Wirtschaftsform, in der sich die Menschen auf Augenhöhe begegnen, ohne Hierarchien, aber mit einem gemeinsamen Ziel, an dem alle gleichberechtigt mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten arbeiten. Dies sind genau die Organisationsformen, die sich im Internet bilden. Hier “üben” wir so zu sagen… Denke an Linux, Firefox, Mozilla, Wikipedia, OpenOffice, die alle durch die oben genannte Arbeitsweise entstanden sind. Nicht, weil die Entwickler dafür Geld bekommen hätten (das haben sie später vielleicht, aber es war nicht der Antrieb und ist es bei den Entwicklern bis heute nicht), sondern aus purer Lust an der Freude sich einbringen zu können, aus purer Schaffensfreude! So ist Arbeit keine Arbeit mehr, sondern ewiger Urlaub – die endgültige Befreiung des Menschen… Hier hat sich die Frage nach “Eigentum” (woran immer) gar nicht gestellt. Wichtig war einzig das Ziel.

        Vielleicht verdeutlicht Dir dieses wundervolle Beispiel, dass diese Arbeitsweise bereits in die Wirtschaft übertragen hat, was ich meine: http://www.sein.de/gesellschaft/neue-wirtschaft/2010/die-befreiung-der-arbeit-das-7-tage-wochenende.html
        Alles andere, wie dass sich unter solchen Umständen (die menschliche Gesellschaftsform folgt der Wirtschaftsform) die Staaten und Regierungen, die meinen für uns alles regeln zu müssen, damit sie sich in Ruhe die Taschen füllen können, von selbst erledigen und sich auf lange Sicht auch das Geld an und für sich selbst ad absurdum führt, ist der nächste logische Entwicklungsschritt, der m.E. zwangsläufig folgen muss.

  7. auf jeden fall ist das internet eine möglichkeit, eine kritische öffentlichkeit aufzubauen. ob das gelingt oder nicht, ist derzeit noch nicht absehbar aber den versuch wert, da die herkömmlichen medien sich inzwischen als komplizen der “verkommenen eliten” fest installiert haben. und demokratie ohne kontrole funktioniert nicht. das ergebnis ist ein feudalsystem der schurken und gewissenlosen, wie wir es zur zeit erleben. und wenn mehr menschen ihre infos aus blogs beziehen statt aus tv, bild und spiegel, muss nicht alles besser werden, aber es kann.
    wie heisst es so schön: wer nicht kämpft, hat schon verloren.

  8. @Solveigh:
    Vielen Dank für die umfassende und auch erhellende Antwort.

    Übrigens betrachte ich es immer mit gemischten Gefühlen, wenn auf Demo’s skandiert wird: “Wir wollen [Erwerbs-]Arbeit!” Das ist viel zu kurz gedacht (im Zusammenhang mit der stetigen, technisch bedingten, Produktionssteigerung! GERADE AUCH von den Gewerkschaften.
    Wo bleibt denn deren Forderung nach Arbeitszeitverkürzung?

    Aber nein, Arbeit wird als Wert an sich gesellschaftlich kommuniziert. Unabhängig von den Arbeitsbedingungen, dem Lohn und dem Inhalt der Arbeit (nach gängiger Sozialgesetzgebung würde ich beispielsweise als ALG2-Bezieher gesperrt werden, wenn ich mich aus Gewissensgründen weigern würde in einer Giftgasfabrik zu arbeiten…)

    Fremdbestimmtes Handels aus wirtschaftlichen Zwang heraus als sinnstiftende Tätigkeit? Als Lebensinhalt und Existenzberechtigung?

    • Genau darum geht es. Und ich sehe es wie Du. Wer heute von Vollbeschäftigung labert, lügt, meistens wissentlich.

      Fremdbestimmtes Handels aus wirtschaftlichen Zwang heraus als sinnstiftende Tätigkeit? Als Lebensinhalt und Existenzberechtigung?

      Genau das soll und wird verändert werden. Da mögen sich die heute Herrschenden mit all’ ihrer Überwachung, ihrem Zwang, ihrer Gewalt noch so sehr wehren. Vielleicht können sie es noch eine Weile mit einer Diktatur der Barbarei hinauszögern, aber sie können es nicht mehr stoppen. Das ist vorbei!

      Auch die Angestellten in “Jobcentern” – welche Irreführung, welch zynisches Wort angesichts der Milionen Menschen, die aus der Gesellschaft ausgestoßen (selektiert!!) wurden!! sind Menschen. Auch sie kranken an der Gesellschaft. Auch sie sind nicht (immer) einverstanden, mit dem, was sie tun. Auch sie haben ein Gewissen, auch sie sind unzufrieden und haben Angst, handeln oft aus Zwang heraus. Vernünftig mit ihnen reden mag helfen, dich nicht zu zwingen, in einer Giftgasfabrik arbeiten zu müssen.

      • “Vernünftig mit ihnen reden mag helfen, dich nicht zu zwingen, in einer Giftgasfabrik arbeiten zu müssen.”

        Nun ich befinde mich “in Lohn und Brot”; deshalb ist die Frage für mich eine akademische.

        Der Job in der “Giftgasfabrik” war nur eine zynische Überspitzung um deutlich zu machen, dass der Inhalt der Arbeit nicht wirklich hinterfragt wird. Schon als normale Verkäuferin könnte man sich ja fragen, ob es moralisch denn so einwandfrei ist, den “Kunden” möglichst viel zu verkaufen, unabhängig davon, ob er’s braucht oder nicht. Nur: Kann man es sich als Lohnabhängiger eigentlich ‘leisten’ moralische Ansprüche an seinen Arbeitgeber zu stellen?

      • Ich gebe Dir vollkommen recht. Du hast das im Grunde Verbrecherische der Lohnarbeit genannt. Menschen werden – um des Überlebens oder menschenwürdigen Lebens willen – gezwungen, Tätigkeiten auszüben, die entgegen den ureigensten Interessen stehen – bis hin zur Aufgabe des eigenen körperlichen Lebens (Soldat).

        Auch mein Beitrag zum “Reden mit dem Angestellten” war rhethorischer Art, es ging mir darum, darzustellen, dass er nicht der “Gegner” ist.

  9. OFF TOPIC!

    @Solveigh:
    Wir haben die ‘Londoner Think-Tank New Economics Foundation’ auf unserer Seite!
    Wusste vorher noch nicht mal, dass es die gibt.

    “Wäre ein Berufsleben mit 21 Wochenarbeitsstunden – bei ausreichender Entlohnung – ein Königsweg zur besseren Lebensgestaltung? Ist das im großen gesellschaftlichen, ökonomischen Rahmen möglich?

    Der Londoner Think-Tank New Economics Foundation ist davon überzeugt. Ihren Bericht 21 Hours überschreibt die Organisation mit der verlockenden Verheißung: ‘Warum eine kürzere Arbeitswoche uns helfen kann im 21. Jahrhundert aufzublühen’. …”

    Werd’ mir die Jungs mal näher anschauen…

    Übrigens auch sonst ein sehr lesenswerter Text!

    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36212/1.html

    • Ich denke, es geht kann nicht mehr darum gehen, eine bestimmte Anzahl Stunden für einen Lohn x “abzuleisten”. Es geht darum, Arbeit vollkommen neu zu definieren. Und das heißt, Arbeiten ohne Stechuhr (wie immer die aussehen mag und wie kurz oder lang der Arbeitstag immer definiert seinwird.). Arbeiten aus Lust an der Arbeit und nicht, um davon Leben zu müssen. Arbeit als Lust, nicht als Last, das sollte das Ziel sein. Den Artikel lese ich mir gleich durch.

      • Als Übergangslösung ist das vielleicht denkbar – bei vollem Lohn. Das habe ich übrigens schon mal vor fast dreißig Jahren vorgeschlagen und wurde deshalb ausgelacht, im günstigsten Fall… Allerdings sollte bei einer solchen Lösung sicher gestellt sein, dass dies unumkehrbar ist.

        Wer arbeitet heute noch 35 Stunden? Das ist wohl eher eine Illusion! Den meisten geht es der Frau, die da kommentierte: Mein Mann arbeitet 60 Stunden… usw.

        Das Modell, dass ich hier verlinkt habe, scheint mir effektiver und realistischer zu sein, weil es auf jegliche Arbeitszeitbindung und Bestimmungen wie was gemacht werden SOLL verzichtet, sondern nur noch das Ziel der zu lösenden Aufgabe definiert. Wenn das dann in zwei Tagen erledigt ist, ist das genau so gut als wenn es in dreißig Tagen erledigt ist. Das Ziel ist definiert, nicht die Zeit, die “anwesend” und “gearbeitet” sein MUSS.

Trackbacks

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 139 Followern an

%d Bloggern gefällt das: