Der babyshambler [das kleine chaos] – ins Leben gerufen zum Zeitpunkt 0 – wird erwachsen
Das Jahr 2011 begann mit Massendemonstrationen und Revolten in Tunesien, Ägypten, Bahrain und weiteren arabischen Ländern. Politische Umwälzungsprozesse, die teils bereits zu Regimewechseln führten, jedoch noch lange nicht abgeschlossen sind. Denn auch wenn bereits Diktatoren aus dem Amt gejagt wurden, das Ziel der staatenübergreifenden Bewegungen war von Anfang an klar definiert: Echte Demokratie als Werkzeug um eine gerechte Gesellschaftsordnung zu etablieren.
Im Mai 2011 schlossen sich die Spanier den Protesten an. In der Bewegung 15-m/Democracia real ya! manifestierte sich das was aufgeklärten Geistern schon länger klar ist: Auch bei den politischen Systemen in Europa handelt es sich mitnichten um echte Demokratien, allenfalls um Scheindemokratien und Oligarchien.
Im besonderen Maße gebeutelt von den Verwerfungen im Zuge des Versagens des globalen Finanzsystems, erkannte man in Spanien recht früh, dass es an der Zeit ist sich zu vernetzen und Neues auszuprobieren.
Die im ganzen Land abgehaltenen Asambleas sind wohl der deutlichste Ausdruck dieses basisdemokratischen Verständnisses – die Zeltstädte auf öffentlichen Plätzen wurden zum Symbol einer fortan interkontinentalen zivilgesellschaftlichen Bewusstwerdung.
In Israel, in Chile, in den USA, in vielen weiteren Ländern der Welt wurde diese Idee in den folgenden Monaten aufgefangen und weiter getragen. Mit Hilfe der digitalen Vernetzung ist es dem Menschen heute erstmals in seiner Geschichte möglich, aktiv zu erkennen was er ist: Teil einer globalen Gesellschaft. Und noch mehr: Als kommunizierendes Individuum ist jeder Einzelne beteiligt und voll und ganz mitverantwortlich an der Gestaltung dieser Gesellschaft.
Ohne Übertreibung lässt sich schon jetzt sagen: Das Jahr 2011 steht im Zeichen eben jener globalen Bewusstwerdung, die alles uns bis dato Bekannte revolutionieren wird. Mancherorts erreicht diese Erkenntnis die Menschen früher, mancherorts später. Mancherorts weckt sie Hoffnungen und Aufbruchstimmung, anderorts wird sie von Angst und Ignoranz zeitweise noch zurück gedrängt. Doch angesichts des zerfallenden neoliberalen Paradigmas, angesichts kollabierender Finanzmärkte und überschuldeter Staaten, die in dieser Form längst nicht mehr in der Lage sind dem Gemeinwohl dienende Staaten zu sein, gilt auch: Einen Weg zurück gibt es nicht.
Der babyshambler zeichnete von Anfang Juli bis Mitte August 2011 willkürlich einzelne Etappen der hier dargestellten globalen Bewusstwerdung auf. Gedankenfetzen, Liedgut, Gedichte und vieles mehr das durch die sozialen Netzwerke geschossen ist, wurde aufgefangen und konserviert – teils weitergedacht.
Nun ist es Zeit, sich den Fragen der Zukunft zu stellen. Über alternative Wirtschaftskonzepte, gerechtere Geldsysteme oder auch Formen der politischen Partizipation und vieles mehr, sollte in der Breite der Gesellschaft diskutiert werden. Diese Themen sollten nicht nur exotischen Randgruppen oder selbst erannten “Experten” vorenthalten bleiben.
Die Zeiten in denen Energie und Kreativität versanden, indem sie ein ohnehin schon gescheitertes Gesellschaftsmodell analysieren oder kritisieren, sind vorbei. Es ist Zeit für grundlegend Neues. Der babyshambler wird fortan einer von vielen Räumen für eben jenes Neue sein.


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